Politik : Regieren im Flanieren

Stephan-Andreas Casdorff

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Die Zeiten sind, ja, wie sind sie eigentlich? Von wegen hektische Betriebsamkeit und rasender Stillstand – schaut auf die Linden dieser Stadt! An die gehen die Motten nicht, was auch politisch so seine Bedeutung hat: Unter ihnen kann man flanieren und dabei so nebenbei regieren; ab und zu sieht man Politiker, die solches tun. Und dann weiß man wieder, was der nächste Morgen bringt, wenn sich das Fernsehen oder der Hörfunk mit den allseits beliebten Themen Gesundheit, Rente, Steuern beschäftigen. Es wird doch immer irgendwie getan, als werde etwas getan. Es muss auch beim Flanieren vorangehen.

Und wo wir gerade bei Linden sind – im schönen Bayernland doch auch die eine oder andere stand. Will sagen: Dort unter den Linden besprechen sich, mangels anderer Koalitionsmöglichkeiten, der Glück Alois (Fraktionschef) und der Stoiber Edmund (Regierungschef), dann sagt Glück etwas über den bedauerlichen Zustand der Münchner Sektion der Partei, die nach ihrer eigenen Vorstellung das schöne Bayern erschuf, und Stoiber nickt heftig. Ja, und dann wird sofort etwas getan – weil nämlich die in Bayern allseits beliebten Themen Wohlstand und Wohlleben sind. Und da muss die Sache vorankommen, da darf sich kein falsches Bild festsetzen.

Nun ist Bayern nicht Deutschland, aus vielen Gründen; aber der besondere ist, dass die Bayern ihr eigenes Maß haben. Wer sich dort zu Unbedachtem drängen lässt, kann schnell verlieren. Wer außer Stoiber schnell die Ruhe verliert, auch. Was wiederum erklärt, warum man die Landesgruppe der Bayern in Berlin seltener unter den Linden flanieren sieht.

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