Regierung : Junge Männer im Zentrum der Macht

Merkels Helfer bei der Vorbereitung.

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Foto: ddp

Berlin - Zu viert sitzt die deutsche Delegation in Washington am Tisch: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Peer Steinbrück und zwei vergleichsweise junge Männer, die in der Öffentlichkeit nicht so bekannt sind: Jens Weidmann (40) und Jörg Asmussen (42).

Weidmann, Abteilungsleiter Wirtschaft im Kanzleramt, ist Merkels sogenannter Sherpa für den erstmals in dieser Formation tagenden Gipfel. Die Sherpas – vom Namen her angelehnt an die Bergführer im Himalaya – haben die Inhalte des Treffens vorbereitet und das Abschlussdokument in weiten Teilen verhandelt. Mit der schwierigen Materie kennt sich Weidmann aus: Der promovierte parteilose Volkswirt hat für den Internationalen Währungsfonds, den Sachverständigenrat und die Bundesbank gearbeitet, bevor ihn Merkel ins Kanzleramt holte. Sie schätzt an ihm seine unaufgeregte, analytische Art – und sie hat ihm auch eine Panne verziehen: Weidmann hatte ihr den Ex-Bundesbanker Hans Tietmeyer für die Expertenkommission zur Finanzkrise empfohlen, ohne zu bedenken, dass der als Aufsichtsrat der angeschlagenen Hypo Real Estate keine überzeugende Wahl war. Tietmeyer verzichtete, der Eklat hielt sich in Grenzen.

Weidmann spricht eher leise, er ist ein angenehmer, freundlicher Gesprächspartner und frei von jedem Höhenkoller, ohne kalt zu sein. Die reine ordnungspolitische Lehre hat er als Kanzlerberater selten vertreten, sondern stets versucht, Lösungen zu finden, die für alle Seiten nützlich sind – in der Praxis, nicht in der Theorie. Als Daimler sich beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS zurückzog, schmiedete Weidmann ein Bankenkonsortium, um die Macht der Deutschen zu erhalten, ohne den direkten staatlichen Anteil zu erhöhen.

Er ist mit Jörg Asmussen, dem anderen jungen Mann im deutschen Quartett, eng befreundet, beide kennen sich seit vielen Jahren. Auch der Sozialdemokrat Asmussen entspricht dem Typus des modernen Beamten: bestens ausgebildet, jung und erfolgreich, Kosmopolit mit allerbesten Kontakten in die Spitze der deutschen und internationalen Finanzwelt hinein. Man könnte auch sagen: Der Mann muss weder in einer Parteisitzung schmoren noch Staatssekretär im Bundesfinanzministerium sein, sondern könnte auch als Investmentbanker Millionen verdienen.

Dennoch sagt Asmussen, er tue das, was er tut, gern. Denn er könne etwas bewegen. Was den studierten Ökonomen Asmussen jetzt in Zeiten der Krisenbewältigung so unentbehrlich macht – seine intime Kenntnis der Finanzbranche nämlich –, wird ihm von manchem in seiner Partei aber auch kritisch nachgetragen. Denn kein anderer als Asmussen selbst war es, der in den vergangenen Jahren wesentlich dazu beigetragen hat, dass sich Deutschland den Märkten für undurchsichtige und hochriskante Finanzprodukte geöffnet hat. Heute macht ihn das auch zu einem, der das Feuer mitentfacht hat, das es nun zu löschen gilt.asi/mod

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