Politik : Regierung schweigt zu Lösegeldern

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Hamburg - Bis Anfang der 70er Jahre hat die Bundesregierung Lösegeldzahlungen für deutsche Entführungsopfer im Ausland geleistet und dies auch bestätigt. Seit dem RAF-Terrorjahr 1977 schweigt sie sich aus oder dementiert Zahlungen, um Nachfolgetäter nicht zu ermuntern. Eine Chronologie:

August 2003: Für die Freilassung deutscher Sahara-Touristen sollen malische Unterhändler 4,6 Millionen Euro an die Terrorgruppe GSPC übergeben haben. Mali soll mit Entwicklungshilfe bedacht worden sein. Die Bundesregierung lehnt eine Bestätigung ab.

Juli 2000: Der „Spiegel“ zahlt für die Freilassung seines Ostasien-Korrespondenten Andreas Lorenz eine „Austrittsgebühr“ in unbekannter Höhe. Lorenz war von seinen philippinischen Entführern mit Aussicht auf Informationen zum Fall der entführten Lehrerfamilie Wallert aus seinem Hotel gelockt worden

September 2000: Nach der Freilassung der Göttinger Familie Wallert auf den Philippinen wird bekannt, dass Libyen den Abu-Sayyaf-Separatisten pro Kopf eine Million Dollar als „Entwicklungshilfe“ gezahlt hat. Kein Kommentar der Bundesregierung. Der Familie stellt das Auswärtige Amt 2001 als „Erstattung von Auslagen“ nahezu 13 000 Mark in Rechnung.

November 1996: Für die Freilassung der Frau eines früheren BASF-Managers in Kolumbien erhält die Guerillatruppe ELN angeblich ein Lösegeld von umgerechnet rund 900 000 Euro. Der Chemiekonzern erklärt, er habe „absolut nichts“ mit der Sache zu tun.

Juni 1992: Die israelische Presse behauptet, Bonn habe für die Freilassung der Libanon-Geiseln Heinrich Strübig und Thomas Kemptner 23 Millionen Mark zugesagt. Bonn dementiert.

September 1988: Nach Ende der Geiselhaft des Hoechst-Managers Rudolf Cordes in Libanon wird behauptet, er sei für 40 Millionen Mark freigekauft worden. Die Bundesregierung dementiert.Ebenfalls dementiert wurde, dass für die Freiheit des Siemens-Technikers Alfred Schmidt zwischen 5 und 16 Millionen Mark gezahlt wurden. dpa

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