Politik : Regierung schweigt zu Osthoff-Kritik

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Berlin - Das Auswärtige Amt (AA) will neuerliche Vorwürfe der im Irak aus Geiselhaft befreiten Archäologin Susanne Osthoff nicht kommentieren. Osthoff hatte in der am Montagabend ausgestrahlten und zuvor aufgezeichneten ARD-Talksendung „Beckmann“ Kritik an der Arbeit des Krisenstabs geäußert. Ihrer Ansicht nach wäre es möglich gewesen, sie früher zu befreien. „Ich weiß, dass man einen Mittelsmann in der ersten Woche hätte bestellen können“, sagte Osthoff. „Diesen Kontakt hat jede Auslandsvertretung.“ Nur die Deutschen hätten diesen Mittelsmann anscheinend nicht gekannt.

Zuvor hatte Osthoff bereits in einem Interview der deutschen Botschaft vorgeworfen, ihren Zustand nach der Befreiung falsch dargestellt zu haben. Insbesondere dementierte sie, sie habe jemals die Absicht gehabt, in den Irak zurückzukehren. Davor hatte Außenminister Frank- Walter Steinmeier gewarnt. Nach der Kritik hatte ein AA-Sprecher zu verstehen gegeben, dass die Äußerungen der Ex-Geisel nicht ganz ernst zu nehmen seien. Man dürfe bei Osthoff „nicht jedes Wort auf die Goldwaage“ legen, sagte er. Osthoff befinde sich „in einer für sie schwierigen und angespannten Situation“. Auch deshalb habe das AA „ihr in den ersten Tagen nach der Freilassung auch professionelle Hilfe zur Seite gestellt“.

Tatsächlich halten sich die Bundesregierung und der Krisenstab zugute, zur Befreiung Osthoffs alles Menschenmögliche unternommen zu haben. In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass die Deutsche im Gegensatz zu den meisten anderen westlichen Geiseln im Irak schon nach wenigen Wochen wieder freigekommen sei. In deutschen Sicherheitskreisen war schon vor der Befreiung Unmut darüber laut geworden, dass die eigensinnige Archäologin sich trotz mehrfacher, eindringlicher Warnungen erneut selbst in Gefahr gebracht habe.

Bei der Aufzeichnung der ARD-Sendung traf Osthoff auch erstmals nach der Entführung ihre in Deutschland lebende zwölfjährige Tochter Tarfa, wie ein Sprecher Beckmanns mitteilte. hmt

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