Politik : Regierungs-Google

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Rat im Alltag – wer bräuchte ihn nicht alltäglich! Was gehört noch gleich alles in Königsberger Klopse? Wie finde ich jemanden, der Omas altes Röhrenradio repariert, weil Oma sich strikt weigert, Musik aus einem dieser neumodischen Glitzerdinger mit ihrer – seien wir ehrlich: auch uns – heillos überfordernden Zahl von Drückern, Drehern, Schiebern und Menüsteuerrollknöpfen zu hören? Welche Zahlen soll ich beim Lotto ankreuzen? Wie knüpft man noch gleich einen Palstek? Die Gewiefteren unter uns haben ja mittlerweile entdeckt, dass die Antwort auf die meisten dieser Fragen irgendwo in den Tiefen des Internets liegt. Der Haken dabei ist, dass man sie da aufstöbern muss. Das kann dauern. Der zweite, größere Haken dabei ist, dass nicht jede Auskunft verlässlich ist. Wer als notwendige Zutat für Königsberger Klopse „eine Tüte Knorr“ nennt, macht sich nun mal ein bisschen verdächtig. Wer die nächsten Lottozahlen zu wissen vorgibt, auch. Nur gut also, dass es jetzt für Rat im Alltag eine hoch seriöse, nämlich regierungsamtliche Quelle gibt. Die Quelle sitzt an einem ganz bestimmten Telefon in Renate Schmidts Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Beim „Service-Telefon“ kann ab diesem Montag jeder anrufen, der etwas wissen will. Allerdings nur, wenn das Ministerium zuständig ist. Und allzu lebensnah sollte die Frage möglichst auch nicht sein. Denn, sagt Frau Schmidt, als „konkrete Lebens- oder Rechtsberatung“ verstehe sich das Service-Telefon nicht. Sondern als Adressen-Weitervermittlung, die dem Rat suchenden Bürger sagt, wo er Rat bekommen kann. Bei Problem mit Klopsen und Omas Radio hilft das Regierungs-Google also nicht.

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