Politik : Regierungsanhänger in Simbabwe erschießen Landbesitzer

London kündigt diplomatische Schritte wegen Farmbesetzungen an

In Simbabwe ist im Konflikt um Farmbesetzungen erstmals ein weißer Großgrundbesitzer getötet worden. Der Farmer wurde von Anhängern der Regierungspartei ZANU (PF) erschossen. Unter Berufung auf Vertreter des Farmerverbandes CFU berichtete die BBC, sechs Farmer seien aus einer Polizeiwache in Murewa östlich der Hauptstadt Harare entführt worden. Im örtlichen ZANU-Hautquartier sei dann einem der Entführten aus kürzester Entfernung in den Kopf geschossen worden. Das habe ein anderer der Gekidnapten berichtet, der später flüchten konnte. Der Zeuge selbst sei schwer geschlagen worden und liege inzwischen in einem Krankenhaus. Die Polizisten von Murewa hätten nichts gegen die Entführung der Farmer durch Anhänger der Regierungspartei unternommen.

Ferner starben zwei Mitglieder der oppositionellen Partei Bewegung für demokratischen Wandel (MDC) an Verbrennungen, als Mugabe-Anhänger einen Brandsatz in ihr Parteifahrzeug geworfen hatten. Mehrere andere erlitten lebensgefährliche Verbrennungen, teilte die MDC mit.

Veteranen des Unabhängigkeitskrieges (1972 bis 80) im früheren Rhodesien haben schätzungsweise bis zu 900 Farmen weißer Großgrundbesitzer besetzt. Die teils gewalttätigen Aktionen hatten im Februar begonnen, als Präsident Robert Mugabe ein Referendum über eine Verfassungsänderung verlor, wonach weiße Farmer ohne Entschädigung enteignet werden sollten.

Die Aktionen gegen weiße Farmer sollen nach Angaben des Vorsitzenden der Vereinigung der Kriegsveteranen, Chenjerai Hitler Hunzwi, weitergehen, obwohl das höchste Gericht und Vizepräsident Joseph Msika dazu aufgefordert hatten, die Kampagne zu beenden. "Selbst wenn ich die Macht dazu hätte, wäre es gegen mein Gewissen", erklärte Hunzwi.

Großbritannien kündigte diplomatische Schritte zur Beendigung der gewalttätigen Farmbesetzungen an. Die britische Regierung werde am Sonntag den diplomatischen Gesandten Simbabwes in London einbestellen und ein Ende der illegalen Enteignungen weißer Farmer in der ehemaligen britischen Kolonie Rhodesien verlangen, erklärte der britische Außenminister Robin Cook am Sonntag in Neu-Delhi.

Die britische Regierung werde darauf bestehen, dass die Gewalttäter gefasst und verurteilt würden, sagte Cook in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi. Cook hält sich derzeit zu einem Besuch in Indien auf. Die Erschießung des weißen Farmers sei eine Folge des Zusammenbruchs von Recht und Gesetz in Simbabwe, wie Großbritannien sie bereits befürchtet hatte.

Der 76-jährige Mugabe erklärte vor rund 1000 Anhängern in der Hauptstadt Harare, er werde die Bürgerkriegsveteranen nicht dazu anhalten, die besetzten Farmen zu räumen. Er kündigte Beratungen mit Vertretern der Veteranen und der Farmbesitzer an. Die Duldung der Besetzungen wird als Versuch Mugabes gewertet, die Zustimmung zu seiner Partei ZANU-PF vor den für Mai angesetzten Wahlen zu steigern. Mugabe hatte die Landnahmen als moralisch gerechtfertigt bezeichnet, aber Vorwürfe zurückgewiesen, er habe sie angeordnet. Die schwarzen Veteranen gaben an, sich lediglich das Land zurückzuholen, das ihren Vorfahren von den weißen Kolonialherren weggenommen worden sei.

Mugabe hatte Großbritannien aufgefordert, den enteigneten Farmbesitzern Entschädigungen zu zahlen. Die ehemalige Kolonialmacht lehnte dies ab, stellte aber Millionenbeträge für eine legale Bodenreform in Aussicht. In Simbabwe, das 1980 nach jahrelangem Bürgerkrieg in die Unabhängigkeit entlassen wurde, gibt es rund 4500 landwirtschaftliche Großbetriebe, die überwiegend im Besitz von Weißen sind.

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