Regierungsbildung : CSU: Finanzen oder Wirtschaft?

Welches Ressort die CSU fordert, bleibt ungewiss

Berlin - In dem Maße, in dem die schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen in den Sachfragen in die heiße Phase treten, kommt auch das Karussell der Personalmutmaßungen weiter in Gang. Der „Münchner Merkur“ berichtete am Mittwoch, CSU-Parteichef Horst Seehofer wolle Anspruch auf das Finanz- oder das Wirtschaftsministerium anmelden. Das dürfte stimmen. Allerdings ist ein erstes Gespräch der drei Parteivorsitzenden am Dienstagabend, bei dem es auch um die Personalien gehen sollte, krankheitshalber kurzfristig ausgefallen: FDP-Chef Guido Westerwelle laborierte am Dienstag an einer Grippe.

Ungewiss bleibt nichtsdestoweniger, welches der beiden Ressorts der CSU- Chef denn nun fordern will. Ein Anspruch auf das Wirtschaftsministerium hätte zur Folge, dass die FDP den Finanzminister stellt – getreu dem eigenen Profil als Wirtschaftspartei und dem historischen Brauch, dass Union und Liberale sich in Koalitionen die Bereiche Finanzen/Wirtschaft, Innen/Justiz, Außen/Verteidigung jeweils teilen. Das steht aber dem Interesse der Kanzlerin Angela Merkel entgegen, das Finanzressort im eigenen Lager zu halten. „Wenn Seehofer das Finanzministerium für die CSU reklamiert, wird Merkel es ihm geben“, heißt es folgerichtig in Unionskreisen.

Für die Kanzlerin hätte das den zusätzlichen Charme, dass sie CSU-Ansprüche auf drei Ministerposten leichter abwehren könnte. Die FDP würde sonst sicher auf fünf Ministerien pochen – womit für die CDU neben der Kanzlerin nur noch magere sechs Kabinettsposten blieben.

Doch selbst in einer Zwei-Vier-Acht- Aufteilung bleibt offen, wer Finanzminister wird. Gegen den neuen CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg sprechen Jugend und Unerfahrenheit im Regierungsgeschäft – für ihn spricht die Tatsache, dass Seehofer mit schwerem Ärger in der CSU rechnen muss, wenn er Guttenberg nicht prominent platziert. In der „Süddeutschen Zeitung“ werden als mögliche Lösung des Dilemmas darum Überlegungen verbreitet, den 37-Jährigen als EU- Kommissar nach Brüssel zu schicken. bib

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