Regierungsbildung : Veltroni contra Berlusconi – in Italien ist Wahlkampf

Der Aschermittwoch ist für Romani Prodi wie Freitag, der 13.: In diesem Jahr musste er Auflösung des Parlaments offiziell bescheinigen. Er will den Weg für eine neue Generation freimachen und verzichtet auf eine Kandidatur.

Paul Kreiner[Rom]

Immer dieser Aschermittwoch. Voriges Jahr stürzte Romano Prodi an diesem Tag in seine erste Regierungskrise. Die überstand er noch; am gestrigen Mittwoch aber war alles vorbei. Auf dem Quirinalshügel, beim Staatspräsidenten, musste Prodi die Auflösung des Parlaments unterschreiben und damit das Ende seiner Legislaturperiode besiegeln. Bis zu den Wahlen am 13. April darf er sein Büro im Amtssitz des Regierungchefs behalten. Aber paradoxerweise ist damit nur noch die Opposition zufrieden. Die eigenen Leute wollen Prodi schon gar nicht mehr.

Der 68-Jährige ist zu sperrig; er passt nicht ins Wahlkampfkonzept seiner jungen Erben. Walter Veltroni als neuer Spitzenkandidat weiß, dass er die Herausforderung gegen Silvio Berlusconi nicht mit irgendwelchen Erfolgen der Regierung Prodi bestreiten kann. Die gibt es, aber sie tragen nicht – gegenüber dem tristen Eindruck einer dauernden Zerstrittenheit, den Prodis Mannschaft in den Köpfen der Stamm- und der potenziellen Neuwähler hinterlassen hat. Veltroni setzt darauf, dass das Land der alten Politikergarde und ihrer Erbfeindschaften überdrüssig ist. Deswegen sucht er einen Neuanfang im eigenen Lager; umso erfolgreicher, meint er, kann er dann Berlusconi attackieren als letztes überständiges Relikt, als Plastikmonster aus einem politischen „Jurassic Park“ Italiens.

Der 52-jährige Veltroni gilt im Gegensatz zu Prodi als talentierter „Kommunikator“ und damit als idealer Widerpart Berlusconis. Anders als dieser gebietet Veltroni zwar über kein eigenes, schon gar kein monopolistisches Fernsehen, aber schon als Bürgermeister von Rom hat er seine hochprofessionelle Presseabteilung zu einer seiner stärksten Waffen gemacht.

So ist es derzeit tatsächlich Berlusconi, der in den Medien älter aussieht: In seinem Lager, im „Haus der Freiheiten“, sammeln sich jene, die man schon seit Jahrzehnten kennt; kein neues Gesicht, keine Innovation. Und um die vier Hauptparteien herum ist ein Gewusel von etwa 20 Splittergruppen und Einzelkandidaten im Gang, die alle – wie schon 2006 – auf Listenplätzen oder in Koalitionsverträgen mitgenommen werden wollen, darunter Überläufer aus dem Lager Prodis und Faschisten wie Alessandra Mussolini.

Veltroni hingegen – darin besteht sein erster medialer Erfolg – hat sich zunächst vom Ballast der Klein- und Splitterparteien befreit. Er will seinen „Partito Democratico“ (PD) allein und gereinigt antreten lassen, wegkommen von dem 278-seitigen Mammutprogramm, mit dem Prodis vielgestaltige „Union“ 2006 in den Wahlkampf gezogen ist. So handlungsfähig und souverän, wie er sich im Augenblick gibt, ist Veltroni allerdings nicht. Sein PD ist ja erst jüngst aus einer Fusion zwischen Linksdemokraten und Zentristen entstanden – der geliebten italienischen Politbotanik zufolge eine Kreuzung zwischen „Eiche“ und „Margerite“. Der PD hat noch kein Statut, im Inneren streiten die verschiedenen Ursprungsgruppen um die Ausrichtung der Partei. Einer immerhin von den „Alten“, ein ganz Prominenter, hat sich entschieden, beiseitezutreten: Romano Prodi hat angekündigt, er werde bei den Wahlen im April nicht mehr kandidieren.

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