• Regierungserklärung zum Geiseldrama: Algerischer Premier: 37 Ausländer bei Geiseldrama getötet

Regierungserklärung zum Geiseldrama : Algerischer Premier: 37 Ausländer bei Geiseldrama getötet

Insgesamt 37 Ausländer kamen infolge des Geiseldramas auf dem Gasfeld ums Leben, sagte der algerische Regierungschef Abdelmalek Sellal während der Pressekonferenz. Am Vormittag waren ausländische Experten in Algerien eingetroffen, um die Leichen zu identifizieren.

Das Gasfeld in In Amenas.
Das Gasfeld in In Amenas.Foto: dpa

Zwei Tage nachdem die Geiselnahme durch die algerische Armee beendet wurde, nennt die algerische Regierung in Algier genaue Zahlen zu den Toten. Insgesamt kostete das Geiseldrama 66 Menschenleben. 37 Tote waren ausländische Geiseln, 29 weitere Tote waren Teil der Kidnapper-Gruppe. Wer für den Tod dieser Menschen verantwortlich ist, bleibt vorerst unklar. In einem Telefoninterview sagte der Sprecher der islamistischen Terrororganisation, Al-Hassan Ould Chalil, der arabischen Zeitung „Al-Sharq al-Awsat“, dass die algerische Luftwaffe am vergangenen Donnerstag mehrere Autos bombardiert hätte, in denen 36 Geiseln saßen. Diese sollten von der Wohnanlage zu der Gasförderanlage gebracht werden. Nur zwei Angehörige der Brigade und eine japanische Geiseln hätten das Bombardement überlebt, fügte er hinzu. Außerdem sagte der Sprecher der Gruppe, die von Mokhtar Belmokhtar geleitet wird: „Die Operation war aus unserer Sicht ein Erfolg.“

Außerdem verkündeten die Drahtzieher, dass 40 Angehörige der Terrorbrigade „Die mit dem Blut unterzeichnen“ beteiligt waren. Ould Chalil erklärte, ein algerischer General habe die Geiselnehmer anfangs kontaktiert, er habe aber keine Bereitschaft zu Verhandlungen erkennen lassen. Die Gruppe „Die mit dem Blut unterschreiben“ hatte sich im vergangenen Jahr von der Terrororganisation Al-Kaida im Islamischen Magreb (AQMI) abgespalten.

Heute Vormittag sind ausländische Experten zur Identifizierung der Leichen in der algerischen Wüste eingetroffen. Die Delegationen, die unter anderem aus den USA und Japan kommen, wollen nach einem Bericht des Senders Chaine 3 in einem Krankenhaus bei der Gasförderanlage In Amenas die Opfer untersuchen. Nähere Angaben gab es zunächst nicht.

Es werden immer noch Menschen vermisst. Nach dem Ende der Aktion fanden algerische Spezialeinheiten laut Zeitung „El Watan“ bisher 30 Tote. Fünf Terroristen sollen festgenommen worden sein, drei weitere Islamisten sind nach nicht bestätigten Meldungen geflohen.

Das Geiseldrama sorgte nach anfänglicher Kritik international für einen Schulterschluss mit Algerien. Die USA, Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Deutschland machten die Terroristen für das Blutbad verantwortlich. Die Geiselnahme war seit Monaten für den Fall vorbereitet, dass Algerien dem Drängen Frankreichs nach militärischer Unterstützung im Nachbarland Mali nachgibt.

In dem westafrikanischen Staat ging der Einsatz gegen islamistische Rebellen aus dem Norden Malis auch am Montag weiter.
Die Islamisten hatten die Stadt 400 Kilometer nördlich der malischen Hauptstadt Bamako vor einer Woche eingenommen. In der seit Tagen umkämpften Stadt Diabali sollen am Montag französische und malische Einheiten angekommen sein. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP.
Zuvor hatte Frankreichs Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian die Entwicklung der Lage als positiv eingeschätzt. Die französische Luftwaffe habe genau definierte Ziele angegriffen und getroffen. Der Militäreinsatz habe die vollständige Rückeroberung Malis zum Ziel.
Die Bundesregierung will mehr Geld für den Kampf gegen islamistische Terroristen in Mali zur Verfügung stellen. Der Einsatz der deutschen Transall-Transportmaschinen zur logistischen Unterstützung französischer und afrikanischer Truppen soll aber zunächst auf Bamako beschränkt bleiben.

(AFP/dpa)

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