Politik : Regimekritiker im Kongo umgekommen

Nairobi/Kinshasa - Florentin Chebeya war ein mutiger Mann. Mehr als 25 Jahre sprach der kongolesische Menschenrechtskämpfer aus, was viele seiner Landsleute nur zu flüstern wagten. Bei den Mächtigen machte er sich damit nicht beliebt. Sowohl unter dem Mobutu-Regime im damaligen Zaire wie auch unter der jetzigen Regierung von Präsident Joseph Kabila stellten ihm Polizisten und Behördenvertreter nach, versuchten ihn einzuschüchtern. Nun ist die Stimme der Rechtlosen gewaltsam zum Schweigen gebracht worden. Am Mittwoch wurde die Leiche des fünffachen Familienvaters in Kinshasa gefunden. Zuletzt hatte sich der 47-Jährige am Dienstagabend per SMS gemeldet, nach einem Treffen mit einem Polizeioffizier. Es war nicht das erste Mal, dass er in das Büro des Polizeichefs beordert wurde – in letzter Zeit wurde er nach Angaben von Angehörigen wiederholt von Polizisten bedroht. Was nach der letzten SMS geschah, ist derzeit ebenso unklar wie die Todesursache. Familienangehörigen und UN-Vertretern wurde zunächst nicht erlaubt, Chebeyas Leiche zu sehen, berichtete Anneke Van Woudenberg von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Als Chebeyas Brüder den Toten am Donnerstag endlich in Augenschein nehmen durften, war die Leiche mit einem Tuch bedeckt und durfte nicht berührt werden. Eine Bandage auf Chebeyas Stirn bedeckte offenbar eine Verletzung. Regierungen aus aller Welt reagierten mit Bestürzung und forderten umgehend eine Aufklärung des Falles. dpa

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