Politik : Reich und trocken

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Mit knapp 1,8 Millionen Quadratkilometern ist Libyen fast fünf Mal so groß wie Deutschland. Das nordafrikanische Land besteht zu neun Zehnteln aus Wüste. Dank seiner reichen Erdölvorkommen ist es jedoch eines der reichsten Länder Afrikas. Jeder Dritte der 5,5 Millionen mehrheitlich muslimischen Einwohner des Mittelmeerstaates lebt in der Hauptstadt Tripolis.

Seit dem Putsch vom 1. September 1969 ist Muammar al Gaddafi erster Mann im Staate. Er ist „ideelles Staatsoberhaupt“ ohne administrative Aufgaben. In den 80er Jahren geriet Libyen wegen seiner Verstrickung in den internationalen Terrorismus zunehmend in die Isolation. Die Vorwürfe lauteten auf Finanzierung, Ausbildung und Beherbergung von Terroristen sowie Attentate auf Auslandslibyer.

Nach dem Anschlag von Lockerbie verhängten die Vereinten Nationen 1992 ein Embargo gegen Libyen, das 1993 verschärft wurde. Erst vor wenigen Monaten hob der Sicherheitsrat die Sanktionen auf, nachdem Libyen sich zu seiner Verantwortung für den Anschlag bekannt und begonnen hatte, die Familien der 270 Opfer zu entschädigen. Für Libyen bedeuteten die internationalen Sanktionen einen erheblichen wirtschaftlichen Rückschritt, der auch beträchtliche soziale Probleme verursachte. So sank das Bruttosozialprodukt zwischen 1992 und 2000 um etwa 20 Prozent. Seit dem Ende der Sanktionen jedoch entwickeln sich die Indikatoren der libyschen Wirtschaft erstmals wieder positiv.

Das Land gilt international wegen seiner Ölvorkommen und seiner relativ geringen Auslandsschulden als kreditwürdig. Es kann darum für die kommenden Jahre mit erheblichen ausländischen Investitionen rechnen. Zu tun gibt es genug: Veraltete Industriebetriebe müssen saniert, neue Arbeitsplätze geschaffen und der Abwärtstrend der Reallöhne gestoppt werden.

Wegen seiner Mittelmeerstrände, seiner antiken Stätten und Oasen ist Libyen auch für Touristen ein interessantes Reiseziel. Die Zahl ausländischer Besucher war in den 90er Jahren jedoch wegen der Sanktionen stark zurückgegangen. M.G.

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