Politik : Reiche dürfen zwanglos zahlen

Berlin - Sie wollen mehr zahlen, aber sie dürfen nicht. Das glauben sie jedenfalls. Eine überschaubare, aber gefühlt wachsende Zahl von Reichen und Superreichen in Deutschland fordert höhere Steuern. Für sich selbst. Zur Bewältigung der Schuldenkrise. Vier Millionäre haben sich jetzt in der „Zeit“ bereit erklärt, gern mehr Steuern zu zahlen, wenn sie denn müssten. „Ich hätte kein Problem, wenn der Spitzensteuersatz angehoben würde“, sagt etwa Michael Otto, der Versandhändler. Martin Kind, mit Hörgeräten reich geworden und zudem Fußball-Mäzen in Hannover, würde eine höhere Steuerbelastung akzeptieren – „verbunden mit der Verpflichtung des Staates, die Mehreinnahmen ausdrücklich zur Schuldentilgung zu verwenden“. Auch Rockstar Marius Müller-Westernhagen meint, nicht ärmer zu sein, würde er mehr zahlen müssen, und der ehemalige Hamburger Versicherungsunternehmer Jürgen Hunke hält eine „massive Erhöhung“ der Erbschaftsteuer für „vernünftig“.

Volker Wissing geht auch mit viel Geld um, er ist Finanzfachmann der FDP-Bundestagsfraktion, die eigentlich nicht für mehr Steuern ist. Weshalb Wissing den Reichen am Mittwoch zwar nicht entgegenkam, aber dennoch weiterhalf. Und zwar mit einer Kontonummer. Denn jeder Deutsche darf dem Staat mehr geben, als er muss, ganz zwanglos (viele tun das ja, ohne es zu wissen). Das Geld – keine Steuer, sondern eine Spende – kann überwiesen werden an die Bundeskasse Halle, Bankleitzahl 86 000 000, Konto 86 001 040. Dem Bundesfinanzministerium flossen 2010 daraus exakt 110 771 Euro 45 Cent zu. Millionäre und andere Deutsche, die ihre freiwillige Mehrzahlung direkt in die aktuelle Schuldentilgung fließen lassen wollen, können ihr Geld auch ohne Verwendungszweck auf das Konto 86 001 030 überweisen. afk

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