Politik : Reine Entspannung

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

In diesen Tagen der vergifteten Beziehungen zwischen den Deutschen und ihrer bisherigen Lieblingshegemonialmacht ist viel von Entspannung die Rede. Das deutsch- amerikanische Verhältnis schmeckt zurzeit ja in etwa so schlecht wie Big Mäc mit süßem Senf oder Hot Dog mit Schwarzwälder Kirschtorte. Bevor sich Deutsche wie Amerikaner endgültig den Magen verderben, bevor George Bush die Bundesrepublik in die Achse des Bösen aufnimmt, muss also etwas geschehen. Das ist klar.

Eigentlich hat die regierende SPD mit ihrer Entspannungspolitik in den 70er Jahren ja gute Erfahrungen gemacht. Aber die galt dem Osten. Ein Konzept zur West-Entspannung hat die deutsche Sozialdemokratie leider nie entwickelt. Deshalb muss ausgerechnet ein Amerikaner der Regierung den Weg zur Deeskalation weisen. Bill Clinton hat sich schon während seiner acht Jahre im Weißen Haus einen Ruf als Entspannungspolitiker erarbeitet. Die ungewöhnliche Art und Weise, mit der Clinton selbst an den stressigsten Präsidententagen noch Entspannung im Oval Office fand, beschäftigte in Washington ganze Untersuchungsausschüsse. Nun stellt der einst mächtigste Mann der Welt seine Erfahrung in den Dienst der transatlantischen Freundschaft und greift dabei auf eine gute deutsche Tradition zurück: die Friedensmärsche zur Osterzeit.

Clinton ist nach seinem Besuch in Berlin in den Schwarzwald weitergereist. Dort will er vor allem eines tun: wandern. Nein, nicht für den Frieden, wohl aber für das deutsch-amerikanische Verhältnis. Ein Clinton-Vertrauter bestätigte am Samstag jedenfalls offiziell: „Sein Aufenthalt dient der reinen Entspannung.“ Markus Feldenkirchen

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