Politik : Reine Lehre im Vatikan

Deutscher Bischof Müller oberster Glaubenshüter.

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Lange wurde im katholischen Deutschland über diese Ernennung spekuliert, nun ist sie da: Papst Benedikt XVI. hat den Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre in Rom ernannt. Künftig steht Müller damit an der Spitze jener Vatikanabteilung, die die Einhaltung der reinen katholischen Lehre zu überwachen hat – und sitzt damit auf jenem Posten, den auch der damalige Kurienkardinal Joseph Ratzinger innehatte, bevor er 2005 zum Papst gewählt wurde.

Innerhalb des deutschen Episkopats gilt der 64-jährige Müller als konservativ und papsttreu – in Regensburg, wo Benedikt XVI. einst Professor war, gründete er sogar ein nach dem Papst benanntes Institut, das sich der Herausgabe der gesammelten Schriften Joseph Ratzingers widmet. Sein Verhältnis zu liberalen Laiengruppen gilt als angespannt: So löste Müller 2005 im Rahmen einer „Neuordnung der diözesanen Räte“ die Laienräte seines Bistums auf, was bei Organisationen wie dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken und der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ zu scharfen Protesten führte. Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Herbert Mangold, sprach damals von einem „Alleingang“, der eine „schwere Belastung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Bischof, Priestern und Laien in der Diözese Regensburg“ sei. Für Aufsehen sorgte deswegen auch Müllers Bereitschaft, den Katholikentag 2014 nach Regensburg einzuladen – speziell, als Müller beim letzten Katholikentag in Mannheim ankündigte, das Treffen stärker geistlich profilieren zu wollen.

Große Verdienste erwarb sich Müller dagegen als Theologe. Seine 1995 erschienene katholische Dogmatik gilt als Standardwerk. In der Ökumene machte sich Müller in den vergangenen Jahren als zuverlässiger Gesprächspartner von Protestanten und Orthodoxen einen Namen. Er scheute sich aber auch nicht davor, ökumenische Probleme deutlich zu benennen. So warnte Müller davor, das Reformationsjubiläum 2017, das aus Sicht der katholischen Kirche eine Kirchenspaltung ist, nur als Freudenfest zu begehen. Auch in der Debatte um die anstehende Rehabilitierung der Piusbruderschaft trat Müller, der das Zaitzkofener Priesterseminar der Bruderschaft in der eigenen Diözese täglich erleben muss, als vorsichtiger Mahner in Erscheinung. Der Holocaust-Leugner Richard Williamson erhielt ein Hausverbot in allen Kirchen und Einrichtungen von Müllers Bistum.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte Müller als einen der „profiliertesten Theologen der Gegenwart“, dessen „hervorragender und präziser theologischer Sachverstand für die Deutsche Bischofskonferenz ein großer Gewinn“ gewesen sei. Andere waren vorsichtiger: „Wir sind Kirche“ hielt es für möglich, dass unter Müller „nun auch noch die letzten Fensterläden geschlossen werden, um sich von der Welt abzuschotten“. Nicht erst abwarten wollte dagegen der von Ratzinger einst mit Lehrverbot belegte Tübinger Theologe Hans Küng: Er nannte die Ernennung Müllers schlicht eine „Katastrophe“.

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