Politik : Reisebranche rechnet kaum mit Einbußen Versicherungen wagen noch keine Prognose

Flora Wisdorff

Berlin – Die deutschen Reiseveranstalter rechnen nach dem Seebeben in Südostasien nicht mit bedeutenden Belastungen für ihr Geschäft. „Unser Umsatz in der Region beträgt weniger als ein Prozent an unserem Konzernumsatz“, sagte Tui-Sprecher Mario Köpers am Montag. Deshalb seien die wirtschaftlichen Auswirkungen der Naturkatastrophe auf den weltweit größten Reiseveranstalter gering.

Auch Thomas Cook teilte mit, die Auswirkungen seien nicht gravierend, da auch hier nur ein Prozent am Gesamtumsatz in der von der Katastrophe heimgesuchten Region erwirtschaftet würde. Zudem besitzen beide Konzerne keine eigenen Hotels in der Region.

Die deutschen Touristikkonzerne werden jetzt mehrere Wochen zunächst keine Deutschen mehr in die Region schicken. Wegen der kostenlosen Stornierungen und Umbuchungen dieser Reisen und der Notunterbringung der Touristen am Ort entstehen den Touristikkonzernen Zusatzkosten, die sie jedoch als geringfügig betrachten. Langfristige Schäden erwarten sie nicht. „Wir erwarten keine generell spürbare Nachfragesenkung“, sagte Tui-Sprecher Köpers. Sobald die Infrastruktur wieder aufgebaut sei, würden die Touristen die betroffenen Ziele auch wieder aufsuchen.

Die Aktienkurse von Thomas Cook und Tui litten trotzdem, die Tui-Papiere fielen bis zum Handelsende um 1,06 Prozent auf 17,75 Euro. Analysten bewerteten diese Kursbewegung jedoch als normal. In der anderen Branche, die in Deutschland von der Katastrophe betroffen sein könnte, den international tätigen Versicherungen, sind die Auswirkungen noch unklar. Der weltweit größte Rückversicherer, die Münchener Rück, machte am Montag noch keine konkreten Angaben. Eine Sprecherin sagte lediglich, die Auswirkungen seien geringer als bei den Wirbelstürmen in Florida im Oktober. In Südostasien seien viel weniger Gebäudeversicherungen abgeschlossen worden als in den USA. Die wenigsten Policen enthielten das Erdbebenrisiko. Zudem seien lediglich die Küstenregionen und nicht das Landesinnere betroffen.

Der weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück wagt erste Voraussagen. „Wir gehen für das Ereignis von einem niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag aus“, sagte eine Sprecherin der Hannover Rück. Sie gab aber auch eine Entwarnung: „Wir werden auch mit dieser Belastung unsere Planung 2004 nicht verändern müssen.“ Deutschlands größter Erstversicherer Allianz, der auch Lebens-, oder Gebäudeversicherungen in Südostasien verkauft, rechnet ebenfalls nicht mit allzu hohen Kosten aufgrund der Katastrophe. „Wir erwarten keine signifikanten Auswirkungen auf das Ergebnis der Allianz-Gruppe“, sagte eine Sprecherin der Allianz.

Die Aktie der Münchener Rück führte mit einem Abschlag von 1,64 Prozent auf 90,00 Euro die Verliererliste im Dax an. Die Papiere der Hannover Rück – zeitweise mit einem Abschlag von 2,4 Prozent gehandelt – konnten ihre Verluste deutlich reduzieren und notierten am Ende nur noch bei 28,80 Euro,d as war ein Minus von 0,14 Prozent.

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