Reisen durch die Sperrzone : Mit Gruseleffekt

Nicolai Fomin
Nicolai FominFoto: dpa

Die Sicherheitsvorkehrungen sind marginal. Die Gäste sollen geschlossene, abwaschbare Schuhe tragen. In Pripyat, der verlassenen Stadt nahe des explodierten Reaktors, empfiehlt der Strahlenschutzexperte von Greenpeace, Heinz Smital, eine Atemschutzmaske und Einmalhandschuhe, falls etwas angefasst wird. Außerdem bekommen alle Besucher ein Personendosimeter, ein Messgerät.

Das trägt auch Nicolai Fomin bei sich, wenn er Gäste durch das Sperrgebiet und zum Sarkophag auf dem Kraftwerksgelände führt. Fomin ist knapp 25 Jahre alt und hat gerade sein Studium abgeschlossen: internationaler Tourismus. Seit neun Monaten arbeitet er immer zwei Wochen am Stück im Sperrgebiet; danach muss er zwei Wochen draußen bleiben. Fomin arbeitet für eine kleine Firma mit dem Namen „Tschernobylinterinform“. Insgesamt hat das Unternehmen 16 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr waren rund 7000 Gäste da, berichtet Fomin. Wegen des 25. Jahrestags der Reaktorkatastrophe war in diesem Frühjahr viel Betrieb in der sonst ziemlich einsamen Sperrzone. Im kommenden Jahr hofft die ukrainische Regierung, dass die Fußballfans, die zur Europameisterschaft anreisen, auch einen Abstecher mit Gruseleffekt zum havarierten Atomkraftwerk machen werden – zumindest ein Teil von ihnen.

Arseni Finberg bietet von der Hauptstadt Kiew aus seine Reisen ins Sperrgebiet an. „Das ist natürlich“, sagt der 28-jährige Unternehmer der Nachrichtenagentur dpa, eine Form von Extremtourismus.“ Zwischen 500 und 3000 Griwna, also zwischen 45 und 275 Euro, kostet der Ausflug. 45 Euro für Gäste aus der früheren Sowjetunion, 275 für die aus dem Westen. deh

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