Politik : Reiseziel: Papst

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Die deutsche VisaAffäre beschäftigt die Italiener kaum. Das Land hat selbst eine weit offene Flanke: Sie heißt Karol Wojtyla. Der Papst ist jährlich für Zehntausende das – echte oder vorgebliche – Ziel eines Besuchs. Während die Bilder von Bootsflüchtlingen ganz Europa bewegen, kommen neun- bis zehnmal mehr Illegale zunächst legal mit einem Touristenvisum ins Land – und dem Vorsatz, zu bleiben. Vor zwei Jahren hat die Regierung Berlusconi allen Illegalen das Angebot gemacht, sich bei Nachweis einer regulären Beschäftigung legalisieren zu lassen. 700000 haben sich gemeldet. Damit verdoppelte sich der offizielle Ausländeranteil in Italien. Dieses Jahr will die Regierung 159000 Einwanderer akzeptieren. Proteste gegen diese Politik gibt es nicht, denn die Industrie im Norden sucht Arbeitskräfte . Allerdings sind bereits acht- bis zehnmal mehr Anträge eingegangen als bewilligt werden können. Weil sie auf italienischen Postämtern abgegeben wurden, kann man davon ausgehen, dass sich die meisten Antragsteller bereits in Italien aufhalten. Und wer jetzt aus der Schwarzarbeit auf legale Beschäftigungen umsteigt, wird wohl unverzüglich ersetzt. pak

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