Politik : Rekord-Arbeitslosigkeit bringt Kohl und DGB einander wieder näher

Höchste Zahl Erwerbsloser im Dezember seit dem Krieg Bonn/Berlin (Tsp).Trotz der auf die Rekordmarke von mehr als vier Millionen gestiegenen Arbeitslosenzahl sind Bundeskanzler Kohl und DGB-Chef Schulte optimistisch, daß bis zum Jahr 2000 zwei Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden können.Nach der Periode gegenseitiger Vorwürfe zeigten sich am Donnerstag wieder beide Seiten gesprächsbereit.Der DGB möchte zwar weiter keine neuen Kanzlerrunden, lud aber für den April die sonst in Bonn versammelten Gruppen zu einem Beschäftigungsgipfel nach Berlin ein.Der Chef der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit, Jagoda, warnte jedoch, Deutschland stehe arbeitsmarktpolitisch vor dem schwierigsten Jahr seiner Geschichte. Nach den Worten des Kanzlers sind 4,1 Millionen Arbeitslose "überhaupt nicht akzeptabel".Die Halbierung werde zwar nicht einfach sein, "aber wir geben es nicht auf.Wir haben große Chancen", so Kohl in Bonn.Er bekräftigte die Bereitschaft zur Neuauflage der Kanzlerrunden.Nachdrücklich forderte er den Abbau der 1,8 Milliarden Überstunden.Die Arbeitgeber sollten neue Leute einstellen."Absurd" nannte Kohl es, daß für viele Arbeiten keine Deutschen zu finden seien, etwa in der Landwirtschaft.Daß Hunderttausende Arbeitsplätze nur mit Ausländern besetzt würden, sei ein Zustand, der so "mit Sicherheit nicht bleiben kann". Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Schulte, sagte in Düsseldorf, "zwei Millionen Arbeitslose sind keine Utopie".Wirkungsvoll wäre die Halbierung der Überstundenzahl und eine Erhöhung der Teilzeitquote.Gleichzeitig warf er der Regierung vor, keine Konsequenzen aus ihrer fehlgeschlagenen Politik zu ziehen.SPD-Fraktionschef Scharping kündigte in Berlin an, seine Partei werde eine Bundestagsdebatte zum Arbeitsmarkt beantragen.Skeptisch zeigte er sich über den Erfolg weiterer Kanzlerrunden: Die Regierung sei weniger auf der Suche nach Lösungen als auf der Jagd nach Sündenböcken. Die Arbeitslosigkeit erreichte 1996 die bislang höchste Dezember-Marke seit Kriegsende.Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl um 205.900 auf 4,148 Millionen, gegenüber Dezember 1995 um 353.100.Die Arbeitslosenquote kletterte von 10,3 auf 10,8 Prozent (Dezember 1995: 9,9 Prozent).In den alten Ländern wurden 136.200 Erwerbslose mehr gezählt als im November (Quote: 9,6 Prozent), das waren 2,961 Millionen Menschen.In den neuen Ländern stieg die Arbeitslosenzahl gegenüber November um 69.700 auf 1,187 Millionen (Quote: 15,9 Prozent).Der Anstieg ist offenbar nicht allein auf das strenge Winterwetter zurückzuführen.

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