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Rekordrücklage : Rentenversicherung sieht Spielraum für Beitragssenkung

Durch die hohen Rücklage der Rentenkasse könnte der Beitrag ab Januar deutlich sinken. Darüber entscheiden wird aber erst eine neue Bundesregierung - und die könnte den gesetzlichen Automatismus aushebeln.

Die Rentenkassen sind durch den guten Arbeitsmarkt prall gefüllt.
Die Rentenkassen sind durch den guten Arbeitsmarkt prall gefüllt.Foto: dpa

In der Rentenversicherung könnte der Beitragssatz im kommenden Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1993 fallen und damit die Beitragszahler um etwa sechs Milliarden Euro entlasten. Angesichts einer Rekordrücklage von voraussichtlich 31 Milliarden Euro könne der Beitrag auf 18,3 von 18,9 Prozent des Bruttolohns sinken, teilte die Deutsche Rentenversicherung Bund am Dienstag in Würzburg mit. Ob er aber tatsächlich sinkt, ist fraglich.

In den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD gibt es Überlegungen, den gesetzlich vorgegebenen Automatismus für eine Beitragssenkung auszuhebeln. Zudem will die Union Mütterrenten aufstocken, was die Rentenkasse mit etwa 6,5 Milliarden Euro zusätzlich belasten und damit den Spielraum für eine Beitragssenkung deutlich einschränken würde.

Auch Rentner würden von einer Beitragssenkung profitieren

Von der Beitragssenkung würden Beitragszahler (Arbeitnehmer und Arbeitgeber), der Bund und die rund 20 Millionen Rentner profitieren. Ein Durchschnittsverdiener hätte durch die Beitragssenkung um 0,6 Prozentpunkte gut 90 Euro im Jahr mehr übrig. Der Bund würde nach Berechnungen der Rentenversicherung um fast 1,5 Milliarden Euro entlastet. Auch die Anhebung der Renten würde - mit einem Jahr Verspätung - im Jahr 2015 um knapp 0,8 Prozentpunkte höher ausfallen, weil die Nettolöhne durch niedrigere Beiträge steigen würden.

Der Beitragssatz war bereits in den vergangenen zwei Jahren in zwei Schritten gesunken, von 19,9 Prozent im Jahr 2011 auf 18,9 Prozent in diesem Jahr. Dennoch erwartet die Rentenversicherung für 2013 einen Überschuss von 1,2 Milliarden Euro, der ihre Rücklagen auf rund 31 Milliarden Euro anwachsen ließe. Das entspräche dem 1,75-Fachen einer Monatsausgabe. Ermöglicht wird dies durch die hohe Zahl von rund 29 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Dadurch stiegen die Beitragseinnahmen stärker als erwartet.

Nach geltendem Recht muss der Beitragssatz gesenkt werden, wenn die Rücklage das 1,5-Fache einer Monatsausgabe übersteigt. Bliebe der Leistungsumfang der Rentenversicherung unverändert, müsste der Beitragsatz nach deren Berechnungen erst 2018 auf dann 18,8 Prozent wieder anhoben werden. Niedriger als 18,3 Prozent war der Beitrag zuletzt 1993. Damals betrug er 17,5 Prozent, um im Jahr darauf auf 19,2 Prozent zu springen. (Reuters)

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