Politik : Rekruten auch in Bruchsal misshandelt?

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Berlin Das Verteidigungsministerium hat zwei weitere Fälle mutmaßlicher Rekruten-Misshandlung bestätigt. Nach Tagesspiegel-Informationen ist der Bundeswehrstandort Bruchsal in Baden-Württemberg betroffen, wo unter anderem ABC-Abwehreinheiten stationiert sind. Wie in Coesfeld und Ahlen sollen auch hier junge Soldaten in einer Geiselübung von Ausbildern malträtiert worden sein. Die Hinweise würden „ernst genommen“, hieß es in Koalitionskreisen. Die „Welt“ berichtete von „Scheinerschießungen“ auf dem Stuttgarter Flughafen bei einer Übung des Flugmedizinischen Dienstes der Luftwaffe im vorigen Jahr, an der auch ein Sondereinsatzkommando der Polizei teilgenommen habe. Beteiligte seien mit Wasser übergossen, anderen seien Jutesäcke übergestülpt worden.

Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte am Dienstag alle Inspekteure der Teilstreitkräfte zur Beratung nach Berlin gerufen. Am Mittwoch erstattet er dem Verteidigungsausschuss Bericht. Die Opposition will vor allem wissen, ob Versäumnisse auf höherer, auch politischer Ebene die Misshandlungen begünstigt haben. Die Forderung nach einem Untersuchungsausschuss hat die FDP zurückgezogen, nachdem die Union davon abgeraten hatte.

Der Chef des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, sagte dem Tagesspiegel, man müsse aufpassen, dass nun nicht „irgendwelche Kleinigkeiten aus anderen Kasernen mit den wirklich üblen Geschichten aus Coesfeld in einen Topf geworfen werden“. Die bekannt gewordenen Vorgänge reichten „nicht einmal entfernt“ an deren Dimension heran. Gertz bestritt, dass es in der Ausbildung strukturelle Probleme gebe. Die Einsätze in Bosnien und Afghanistan hätten gezeigt, dass die Soldaten auch auf Auslandseinsätze bestens vorbereitet seien. Selbst für Einsätze mit Waffengewalt müsse man nicht Methoden wie die der US-Armee anwenden, denen ein anderes Menschenbild zugrunde liege. Hätten sich dort Vorfälle wie in Coesfeld ereignet, „hätte kein Hahn danach gekräht“. has/bib/raw

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