Religion : Kondom-Äußerung: Viel Kritik für den Papst

Die Empörung war schon groß, bevor Papst Benedikt XVI. überhaupt in Afrika landete. Denn das Kirchenoberhaupt hatte sich im Flugzeug zu einem Thema geäußert, das seine Afrika-Reise begleiten wird.

Papst
Papst Benedikt XVI. -Foto: ddp

BerlinPapst Benedikt XVI. sprach über das kirchliche Kondom-Verbot und seine Folgen für den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids: "Man kann das Aids-Problem nicht durch die Verteilung von Kondomen regeln. Ihre Benutzung verschlimmert vielmehr das Problem", sagte er und benutzte damit nach Angaben von Vatikan-Experten erstmals in seinem Pontifikat das Wort "Kondom".

Politiker von SPD und Grünen reagierten mit Unverständnis auf die Äußerung. Auch unter den deutschen Katholiken regte sich am Mittwoch Unmut. Denn im Afrika südlich der Sahara liegen nach Angaben des UN-Aidsprogramms (UNAIDS) die von der Krankheit am schlimmsten betroffenen Länder der Erde. Etwa 22 Millionen HIV-infizierte Menschen leben in dieser Weltregion - zwei Drittel aller Fälle weltweit. 75 Prozent aller Aids-Toten sind in Schwarzafrika zu beklagen.

Ehe als Mittel gegen Aids

Das päpstliche Kondom-Verbot geht zurück auf die Enzyklika "Humanae Vitae", mit der Paul VI. Ende der 60er Jahre auf die Anti-Baby-Pille reagierte. Die Enzyklika "über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens" vom 25. Juli 1968 verbietet jegliche Form von künstlicher Geburtenkontrolle - auch wenn Pille und Kondom nicht ausdrücklich erwähnt werden. Seither hielt die Amtskirche an dieser Lehre fest. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. sagte bei einer Afrika-Reise 1993, die eheliche Treue sei das einzige Mittel, um "die tragische Wunde" Aids zu heilen.

Immer wieder nutzen Kirchenkritiker Auftritte des Papstes, um die Gefahren des Kondom-Verbots bei der Ausbreitung von Aids anzuprangern. Aktivisten verteilten etwa beim Weltjugendtag im September 2008 in Sydney Kondome an junge Katholiken. Zum 40. Jahrestag von "Humanae Vitae" im vergangenen Sommer forderten rund 60 katholische Laienorganisationen ein Umdenken der Amtskirche. In einem offenen Brief prangerten sie "katastrophale Auswirkungen" des Kondom-Verbots an. Dass der Vatikan seine Meinung demnächst ändert, ist besonders nach den erneuten Äußerungen des Papstes nicht zu erwarten. (nal/AFP)

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