• Religion und Alltag: Internationale Umfrage: Katholiken leben anders, als es die Kirche will

Religion und Alltag: Internationale Umfrage : Katholiken leben anders, als es die Kirche will

Eine Umfrage unter Katholiken in 42 Ländern zeigt: Die Ideale der Kirche haben nur bedingt mit der Lebensrealität der Gläubigen zu tun. Besonders krass ist der Unterschied in Deutschland.

Alexandra Belopolsky
Trotz regelmäßiger Gottesdienst-Teilnahme: Die Lehre der Katholischen Kirche verliert unter den Gläubigen an Relevanz. epd
Trotz regelmäßiger Gottesdienst-Teilnahme: Die Lehre der Katholischen Kirche verliert unter den Gläubigen an Relevanz.Foto: epd

Ist die Familienpolitik der Katholischen Kirche für die Lebensrealität der Gläubigen relevant? 12.000 Gläubige aus 42 Ländern, knapp 7900 davon aus Deutschland, wurden in einer Internationalen Studie zu Partnerschaft, Ehe und Familie im katholischen Kontext befragt. Die Ergebnisse weichen zum Teil stark von der katholischen Leitlinie ab.

Eine mehrheitliche Unterstützung der kirchlichen Linie zeigt sich überwiegend in Polen und Südeuropa. Dort spricht sich eine deutliche Mehrheit der Befragten konsequent gegen das Zusammenleben vor der Ehe, Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und den Wahlzölibat für Priester aus.

In den meisten Ländern, vor allem in Deutschland, ist jedoch das Gegenteil der Fall. Eine kirchliche Hochzeit bleibt für die Mehrheit der Befragten – über die Generationen hinweg – wichtig. Gleichzeitig sprechen sich 80 Prozent der Befragten aus Deutschland für ein Zusammenleben vor der Ehe aus. Die Mehrheit der Gläubigen wünscht sich außerdem eine Reform des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen, die von der Kommunion ausgeschlossen sind. In Deutschland teilen diese Meinung knapp 90 Prozent.

Für gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind die Ergebnisse unterschiedlich. In vielen Ländern wird eine Anerkennung und Segnung der Paare gewünscht, doch der Standpunkt zur kirchlichen Hochzeit ist sehr verschieden. Überraschend ist, dass die Kirche für Fragen um Empfängnisverhütung irrelevant geworden sei. Bei der Wahl der Verhütungsmittel gab nur eine geringfügige Minderheit an, sich dabei an der Kirche zu orientieren.

Die Studie wurde von Anna Roth, Tobias Roth und Sarah Delere durchgeführt, die Katholische Theologie und Sozialwissenschaften an der Universität Münster und an der Freien Universität Berlin studieren. Im Oktober werden die Ergebnisse der Studie vom Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode vorgestellt – bei der Bischofssynode zur Familienpolitik der katholischen Kirche im Vatikan.


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