Rente mit 63 : "Privileg für gut bezahlte Facharbeiter"

Der Ökonom Bernd Raffelhüschen hält die Rente mit 63 und die Mütterrente für einen Irrweg. Das schwarz-rote Paket werde den künftigen Rentenbeitrag deutlich erhöhen.

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Arbeitsministerin Andrea Nahles stellt das Paket vor.
Arbeitsministerin Andrea Nahles stellt das Paket vor.Foto: dpa

Für den Freiburger Ökonomen Bernd Raffelhüschen stehen die Gewinner der Rente mit 63 fest: Es sind keineswegs Angehörige der unteren Lohngruppen, sondern es ist die  „Arbeiteraristokratie“ – also Facharbeiter mit guter Ausbildung und hohen Löhnen. Allerdings nur die männlichen, und unter denen vor allem jene der Jahrgänge zwischen 1950 und 1960. Sie kämen in aller Regel auf 45 Beitragsjahre und hätten, da oft in langjährig festen Anstellungen beim gleichen Arbeitgeber, kaum Zeiten der Arbeitslosigkeit aufzuweisen. Im Gegensatz etwa zu schlechter bezahlten Bauarbeitern. „Es partizipieren also vor allem die reichen Rentner“, sagt Raffelhüschen. Er rechnet vor, dass ein Facharbeiter in der Spitze auf 2000 Euro an gesetzlicher Rente kommen kann und dazu noch rund 1000 Euro Betriebsrente. Sein Fazit: Die schwarz-rote Koalition beschenke Männer, die es eigentlich gar nicht nötig hätten – jedenfalls im Vergleich zu anderen Beitragszahlern. Den finanziellen Vorteil beziffert Raffelhüschen auf bis zu 6000 Euro bei denjenigen, die demnächst schon in Rente gehen könnten. „Finanzieren müssen das die Jüngeren“, kritisiert der liberale Wirtschaftswissenschaftler. „Das Rentenpaket der Bundesregierung ist ungerecht.“

Mütterrente wird teuer 

Kritisch sieht der Ökonom auch die von der Union durchgesetzte Mütterrente. Für Kinder, die vor 1992 geboren worden sind, werden deren Müttern zwei Entgeltpunkte statt einem gutgeschrieben. „Dafür müssen diese Kinder nun aufkommen“, sagt Raffelhüschen. Der finanzielle Vorteil beträgt bis zu 4000 Euro. Ein Ehepaar, das sowohl von der Rente mit 63 als auch der Mütterrente profitiert, kommt damit auf ein Plus von 10000 Euro auf Kosten der Beitragszahler. Raffelhüschen rechnet ausgehend vom Staus quo damit, dass der Rentenbeitragssatz ab etwa 2022 steigen wird, um die Altersversorgung der dann langsam ins Rentenalter kommenden geburtenstarken Jahrgänge sichern zu können. Von derzeit 18,9 Prozent wird nach Raffelhüschens Prognose der Beitragssatz bis 2040 auf über 26 Prozent steigen. Das Rentenpaket der Bundesregierung habe daran einen Anteil von etwa einem Beitragspunkt. Aus der Sicht des Ökonomen ist es ein „Reformrückschritt“. Die langfristigen Kosten der Mütterrente beziffert er auf 115 Milliarden Euro, die der Rente mit 63 auf 61 Milliarden Euro.

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