Politik : Rente steigt – ihr Niveau sinkt

Plus bei Altersbezügen bleibt künftig hinter Lohnentwicklung zurück

Cordula Eubel

Berlin - Wegen ihres milliardenschweren Finanzpolsters steht die gesetzliche Rentenversicherung nach Ansicht der Bundesregierung auf einer „soliden finanziellen Basis“. Die Rentenkassen werden bis zum Ende des Jahres voraussichtlich eine Reserve von 15,7 Milliarden Euro aufgebaut haben, wie aus dem Rentenversicherungsbericht 2008 hervorgeht, den das Kabinett am Mittwoch verabschiedete. Das entspricht in etwa dem Betrag, der pro Monat an die rund 20 Millionen Ruheständler in Deutschland ausgezahlt wird (97 Prozent einer Monatsausgabe).

Von der positiven Finanzlage werden laut Sozialministerium auf Dauer auch die Rentner profitieren. Bis 2022 steigen die Renten nach derzeitigen Schätzungen um 32 Prozent, im Schnitt um 1,9 Prozent pro Jahr. Damit bleibt das Plus bei den Altersbezügen allerdings hinter der voraussichtlichen Entwicklung der Löhne und Gehälter zurück, die nach Annahmen der Regierung um mehr als zwei Prozent steigen werden. Für Juli 2009 erwartet der Schätzerkreis eine Steigerung der Renten um 2,75 Prozent.

Insgesamt sinkt das Niveau der gesetzlichen Rente in den kommenden Jahren weiter – von 50,5 Prozent im Jahr 2008 auf 46,2 Prozent im Jahr 2022. Die Zahl gibt an, wie hoch die Rente eines Durchschnittsverdieners im Vergleich zu seinem durchschnittlichen Arbeitseinkommen ist – nach Abzug von Sozialversicherungsabgaben, aber vor Steuern. Der Rückgang „macht deutlich, dass die gesetzliche Rente zukünftig alleine nicht ausreichen wird, um den Lebensstandard des Erwerbslebens im Alter fortzuführen“, heißt es im Rentenbericht.

Die Rentenbeiträge können nach Einschätzung der Bundesregierung erst 2012 von derzeit 19,9 auf 19,2 Prozent gesenkt werden. Die ursprünglich für 2011 angenommene Beitragssenkung muss wegen der außerplanmäßigen Rentenerhöhung in diesem und im nächsten Jahr verschoben werden. Mit einer Entlastung für die Beitragszahler rechnet die Bundesregierung nur für ein paar Jahre. Ab 2018 steigen die Beiträge wieder und erreichen ab 2019 erstmals 20 Prozent.

Die Regierung geht in ihren Berechnungen davon aus, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt bis 2012 kaum verschlechtert. Sie kalkuliert 2009 mit einem leichten Rückgang der Beschäftigung (0,2 Prozent), die bis 2012 wieder geringfügig um 0,2 Prozent pro Jahr steigen soll. Außerdem wird unterstellt, dass die Zahl der Arbeitslosen in den nächsten Jahren im Schnitt nicht über 3,3 Millionen steigt. Bei der für die Rentensteigerung entscheidenden Entwicklung der Bruttolöhne erwartet die Regierung 2009 ein Plus von 2,8 und in den drei Folgejahren von 2,3 Prozent.

Volker Schneider, rentenpolitischer Sprecher der Linksfraktion, warf der Bundesregierung vor, zunehmende Altersarmut zu ignorieren und den Menschen Wolkenkuckucksheime zu versprechen.

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