Rente und Jugend : Englisch lernen, auswandern

Die Älteren sind in der Mehrheit. Bald wird gegen ihre Interessen Politik nicht mehr möglich sein. Doch die Jüngeren werden später nicht brav zahlen. Sie werden die Älteren sitzen lassen. Ein Kommentar.

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Fehlt im Alter das Geld, bleibt oft nur der Trost
Fehlt im Alter das Geld, bleibt oft nur der TrostFoto: dpa

Die Rentendebatte lässt sich auf drei Ebenen analysieren. Bei der ersten geht es darum, wo es im Rentensystem hakt. Die zweite deckt die Logik des heraufziehenden Wahlkampfs auf. Die dritte zeigt eine Gesellschaft im demografischen Wandel. Auf allen Ebenen passiert zurzeit Beachtliches. Für die Jüngeren ist die Botschaft aber immer dieselbe: ordentlich Englisch lernen, beizeiten auswandern.

Die erste Entscheidungsebene ist vergleichsweise einfach: Im System der gesetzlichen Rente schneiden diejenigen gut ab, die gut verdienen. Damit auch die anderen im Alter genug zum Leben haben, sollen sie privat vorsorgen. Der Staat fördert das. Dumm ist nur, dass diejenigen, die im Alter auf solche Finanzquellen angewiesen sind, kein Geld zum Sparen haben. Die anderen dagegen müssten gar nicht gefördert werden. Aber sie können sparen. Deshalb bekommen sie am Ende die höchsten Zuschüsse. Um das abzustellen, könnte man die Schlechtverdienenden ähnlich wie bei der Steuer von Beiträgen freistellen. Oder man könnte ihre Renten aufbessern und eine Mindestrente festlegen. Das will man aber nicht: Politiker wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer oder Gewerkschafter wie DGB-Chef Reiner Hoffmann wollen lieber alle Renten anheben – auch für die, die es nicht nötig haben. Das wird teuer. Bezahlen sollen das die Jüngeren. Später.

Für die Jüngeren bleibt nichts übrig

Damit sind wir bei der zweiten Ebene: Im kommenden Jahr wird gewählt. Alle haben Angst vor der AfD und wollen deshalb ihren Bürgern zeigen, wie gut sie es mit ihnen meinen – vor allem mit den gut verdienenden älteren Bürgern, die am bravsten von allen zur Wahl gehen. Sie bekommen das größte Versprechen. Für die Jüngeren bleibt leider nichts übrig – nicht einmal eine Partei, die ihre Interessen vertritt.

Auf der dritten Ebene wird deutlich, wie es weitergeht: Die Älteren sind in der Mehrheit. In den nächsten Jahrzehnten wird gegen ihre Interessen Politik nicht mehr möglich sein. Deshalb war es klug, die Rentenreform so früh zu beschließen und sie mit vielen Vorratsparagrafen auszustatten. Deshalb wäre es dumm, diese Beschlüsse jetzt zu kassieren, anstatt sie da zu reparieren, wo es nötig ist. Denn die Jüngeren werden später nicht brav zahlen. Sie werden die Älteren mit ihrem Problem sitzen lassen.

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