Rentenalter in Europa : Länger leben - länger arbeiten

Rente mit 85 - das ist der Lösungsvorschlag eines US-Demographen angesichts der steigenden Lebenserwartung in den Industriestaaten. Ganz so radikal wollen Europas Regierungen das Problem nicht angehen, doch das Rentenalter steigt europaweit.

Auch die EU-Kommission hatte im Februar 2006 gefordert, die "Bemühungen angesichts der schnellen Alterung der Bevölkerung zu intensivieren". Ein Überblick über die Rentenregelungen in den europäischen Ländern:

In Großbritannien berät das Parlament derzeit über einen Gesetzentwurf, der die schrittweise Anhebung des Rentenalters auf 68 Jahre bis zum Jahr 2048 vorsieht. Zudem sollen die Renten nicht mehr an die Inflation, sondern an die Entwicklung der Einkommen angepasst werden.

In Dänemark einigte sich die Regierung mit den meisten im Parlament vertretenen Parteien auf eine Anhebung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre, der Vorruhestand soll statt mit 60 erst mit 62 angetreten werden können. Die Regelung wird ab 2019 schrittweise eingeführt.

In Portugal haben sich Regierung und Sozialpartner auf eine Reform geeinigt, die derzeit im Parlament beraten wird. Demnach soll das Rentenalter in kleinen Schritten angehoben werden: Von derzeit 65 Jahren soll es bis zum Jahr 2017 auf 66 Jahre angehoben werden. In der vergangenen Woche demonstrierten in Lissabon zehntausende Menschen gegen die Reform.

In Italien stießen Rentenreformen in der Vergangenheit auf erbitterten Widerstand der Gewerkschaften. Eine vom konservativen Regierungschef Silvio Berlusconi im Jahr 2003 geplante Reform, die das Rentenalter ab 2008 auf 65 Jahre für Männer und 60 für Frauen heraufsetzen sollte, wurde nach zwei Generalstreiks und Massenprotesten verwässert. Ein neues Reformvorhaben von Ministerpräsident Romano Prodi umfasst Presseberichten zufolge eine weitere Anhebung des Rentenalters und finanzielle Anreize, länger zu arbeiten.

In den neuen EU-Mitgliedsstaaten in Osteuropa waren Rentenreformen schon vor einiger Zeit ein dringendes Thema, da das aus den Zeiten des Sowjetregimes übernommene System praktisch pleite war. Die meisten dieser Länder wollen in den kommenden Jahren bei einem Renteneintrittsalter von 62 bis 63 Jahren landen. In Polen setzte eine erste Reform die Anhebung des Rentenalters für Männer auf 65 Jahre, für Frauen auf 60 Jahre in Kraft. Heftig umstritten ist weiterhin die Angleichung des Rentenalters für beide Geschlechter.

Andere EU-Staaten haben bislang lediglich die Vorruhestands-Regeln in Angriff genommen. In Belgien können Erwerbstätige ihre vorgezogene Rente ab 60 statt bislang ab 58 Jahren in Anspruch nehmen, wenn sie 35 Beitragsjahre haben. Österreich hat das Vorruhestandsalter auf 62 Jahre angehoben und die Beitragszeit von 40 auf 45 Jahre erhöht.

Frankreich behält bislang als Renteneintrittsalter 60 Jahre, verlangt aber längere Beitragszeiten: 40 Jahre im Jahr 2008, 41 Jahre ab 2012 und 42 Jahre ab 2020.

In einigen EU-Staaten wurden indes Anreize geschaffen, die die Menschen zu längerer Berufstätigkeit ermutigen sollen. Die Regierung Spaniens segnete diese Woche einen Gesetzentwurf ab, der den vorgezogenen Ruhestand von 60 auf 61 Jahre anhebt, außerdem sollen zwei Prozent mehr Rente an diejenigen gezahlt werden, die später als zum gesetzlichen Alter von 65 Jahren in den Ruhestand gehen.

In Finnland gibt es ebenfalls ein Bonussystem, das ab dem gesetzlichen Alter von 63 Jahren bis hin zur Rente mit 68 Jahren steigende Zahlungen verspricht. Wer vor seinem 63. Geburtstag aufhört zu arbeiten, muss dagegen Abstriche in Kauf nehmen.

Schweden hat ein flexibles Renteneintrittsalter ab 61 Jahren. Die Rentenhöhe wird allerdings gemäß der durchschnittlichen Lebenserwartung zum Zeitpunkt des beginnenden Ruhestands berechnet - dies soll einen Anreiz schaffen, so lange wie möglich zu arbeiten. (mit AFP)

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