Rentenerhöhung : Ein paar Kröten mehr

Nach fast vier Jahren werden die Rentenbezüge ab 1. Juli wieder erhöht. Mit 0,54 Prozent fällt die Steigerung recht bescheiden aus und kann die Mehrausgaben durch Mehrwertsteuererhöhung und Inflation nicht kompensieren.

Berlin - Wer 1000 Euro Rente bezieht, darf zum 1. Juli nun mit 5,40 Euro monatlich mehr rechnen. Das ist nach langer Durststrecke kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber auch viele Beschäftigte mussten in den vergangenen Jahren beim Einkommen Null- oder gar Minusrunden hinnehmen.

Während Ende vergangenen Jahres Experten noch weitere Nullrunden für die Rentner bis 2008 an die Wand malten, ist plötzlich Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Die Wirtschaft brummt, die Löhne steigen. Die führenden Wirtschaftsinstitute prognostizierten vergangene Woche Tarifsteigerungen von 2,9 für dieses und 2,8 Prozent für nächstes Jahr.

Belastungen werden nicht ausgeglichen

Das wären gute Voraussetzungen für weitere, und zwar wieder deutlichere Rentenanpassungen, sind doch die Renten mit dem Zeitverzug von einem Jahr an die Entwicklung von Löhnen und Beschäftigung geknüpft. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm pries den Kabinettsbeschluss denn auch als "positives Signal", auch wenn damit die Belastungen der Rentner aus Mehrwertsteuererhöhung und höheren Krankenkassenbeiträgen und Geldentwertung nicht ausgeglichen werden.

Der für Ost und West erstmals einheitliche Erhöhungssatz von 0,54 Prozent in diesem Jahr wirft darüber hinaus ein Grundsatzproblem auf: Die Renten in Ost und West bleiben nicht nur auf Abstand, die Schere öffnet sich sogar wieder ein wenig. Das wird erst bei genauerem Hinsehen deutlich - und hängt damit zusammen, dass die Rentenwerte im Westen schon immer höher sind als im Osten.

Angleichung der Renten rückt in die Ferne

Der Rentenwert, den ein Durchschnittsverdiener pro Jahr erwirbt (dieser wird dann zur Errechnung der Rente mit der Zahl der Beitragsjahre multipliziert), liegt derzeit im Westen bei 26,13 Euro. Er steigt zur Jahresmitte auf 26,27 Euro, also um 14 Cent. Im Osten klettert der Rentenwert mit der Anhebung von 22,97 auf 23,09 Euro. Das sind zwar auch 0,54 Prozent, aber eben doch nur 12 Cent.

Damit rückt die Angleichung der Renten für die rund vier Millionen Ostrentner wieder ein Stück in weitere Ferne. Bis 2003 gab es im Osten immerhin durchweg höhere Rentenanpassungen als im Westen. Dieser Prozess ist gestoppt - und er wird erst wieder dann in Gang kommen, wenn die Lohnzuwächse in den neuen Ländern deutlich zulegen. Wann das sein wird, steht in den Sternen.

Eine Rentenkürzung, die nach der gesetzlichen Rentenformel eigentlich notwendig gewesen wäre, blieb den Ruheständlern 2005 und 2006 durch eine Schutzklausel immerhin erspart. Die unterbliebene Kürzung soll aber nach 2011 "nachgeholt" und mit den dann wieder kräftigeren Erhöhungen verrechnet werden. (tso/dpa)

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