Rentenreform : Frankreich streikt - auf allen Ebenen

Die Grande Nation, berühmt für ihre Streikkultur, macht ihrem Ruf wieder alle Ehre: Tausende Franzosen legten ihre Arbeit nieder: Sie protestieren gegen die Rentenreform, nach der sie ein Jahr länger arbeiten sollen.

Frankreich Streik
Die Franzosen wehren sich gegen ein längeres Arbeitsleben. -Foto: AFP

ParisMit Streiks und Demonstrationen haben Tausende Franzosen am Donnerstag gegen die geplante Rentenreform protestiert. Bereits am Vorabend legten französische Eisenbahner die Arbeit nieder. Die Hälfte der Regionalbahnen und ein Drittel der Hochgeschwindigkeitszüge TGV seien ausgefallen, teilte die Staatsbahn SNCF mit. Etwa ein Viertel aller Beschäftigten sei am Streik beteiligt. In mehr als 50 Städten war auch der Nahverkehr gestört. Stark betroffen war besonders der Metro- und Busverkehr in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille. In Paris und anderen Großstädten demonstrierten mehrere Tausend Menschen. Der Ausstand soll bis Freitagmorgen dauern.

Die Reform sieht vor, dass die Franzosen 41 Jahre und damit ein Jahr länger als bisher arbeiten müssen, um die volle Rente zu bekommen. Premierminister François Fillon kündigte an, dass es keine Zugeständnisse geben werde. Die Erhöhung der Beitragsjahre sei wegen der steigenden Lebenserwartung "unerlässlich". Die größte Gewerkschaft CGT kritisierte eine "mangelnde Gesprächsbereitschaft" der Regierung. Erst im vergangenen November hatte ein tagelanger Eisenbahnerstreik ein Verkehrschaos ausgelöst, der mit einer Kompromisslösung endete.

Auch das Flugpersonal streikt

Auch bei der Fluggesellschaft Air France hatten die Gewerkschaften zum Streik aufgerufen. Auf zahlreichen Verbindungen kam es zu Verspätungen. Am Pariser Flughafen Orly sowie in Toulouse, Marseille und Nizza fielen mehrere Flüge aus. In Marseille schlossen sich mehrere hundert Hafenarbeiter der Protestbewegung an. Auch die französischen Hochseefischer setzten ihre Protestaktionen gegen die hohen Treibstoffkosten fort. Sie blockieren seit Wochen mehrere Häfen und Ölterminals und fordern von der Regierung einen Festpreis für Diesel. Im November hatte Sarkozy bereits eine Unterstützung von 310 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

In der vergangenen Woche war es zudem zu Protesten gegen geplante Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst gekommen. Zahlreiche Schulen und Behörden waren betroffen, am Sonntag gingen tausende Lehrer auf die Straße. Um den französischen Staatshaushalt zu sanieren, will Sarkozy allein in diesem Jahr 23.000 Stellen im öffentlichen Dienst streichen, darunter 11.200 im Schulbereich. Kurz vor Beginn der französischen EU-Ratspräsidentschaft droht Paris eine Verwarnung der EU- Kommission wegen seines steigenden Staatsdefizits. (mpr/dpa)

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