Rentenreform : Immer mehr Deutschen droht Altersarmut

Der Präsident der Deutschen Rentenversicherung Bund, Herbert Rische, hat vor wachsender Altersarmut in Deutschland wegen der Rentenreformen gewarnt. SPD-Chef Kurt Beck drängt zu mehr privater Altersvorsorge.

Hannover"Einer der größten Erfolge der Rentenversicherung war, dass es in den letzten 50 Jahren in der Bundesrepublik keine nennenswerte Altersarmut gab", sagte Rische der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". "Nach den Reformen diskutieren wir jedoch plötzlich darüber." Rische sagte: "Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir die Reformen zu weit getrieben haben, ob wir zu sehr die Beiträge und zu wenig die Leistungen im Blick hatten."

Die schwierigere Lage der Rentner führte Rische unter anderem auf die Arbeitslosenzahlen zurück. "Statt lebenslanger Erwerbsarbeit kommt es vermehrt zu Patchwork-Biografien, mit Zeiten der Arbeitslosigkeit, aber auch mit Arbeitsformen zwischen Selbstständigkeit und abhängiger Beschäftigung. Je weniger in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurde, desto eher kann die Lage im Alter finanziell prekär werden", sagte Rische der "Neuen Presse". Er sprach sich für die Einrichtung einer Erwerbstätigenversicherung aus, in die auch Selbstständige einzahlen. Die sei "ein Thema für die nächste Legislaturperiode."

Beck will "Härten abfedern"

Der SPD-Vorsitzende Beck warnte die heute Beschäftigten in der "Bild"-Zeitung vor falschen Vorstellungen über ihr späteres Rentenniveau. "Ich sage es in aller Deutlichkeit: Mit der gesetzliche Rente allein kann niemand seinen Lebensstandard im Alter halten", betonte der Sozialdemokrat. Nur wer privat vorsorge, können seinen späteren Lebensstandard verbessern. Bei der Rente mit 67 bereite die SPD "für den Herbst einige Ergänzungen vor, um punktuelle Härten abzufedern", betonte Beck.

Im Streit um Mindestlöhne und Arbeitslosengeld II stellte sich Beck hinter Vizekanzler Franz Müntefering (ebenfalls SPD) und dessen Vorschlag, die Regelsätze bei Hartz IV zu überprüfen, wenn zugleich ein Mindestlohn eingeführt werde. Eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze koste rasch zwei bis drei Milliarden Euro", sagte er. "Die können wir einsparen, wenn der Staat nicht immer mehr bei jenen Löhnen zuschießen muss, die zum Leben nicht reichen." Ein Mindestlohn sei zudem unumgänglich "in einer Gesellschaft, in der Arbeit das Selbstwertgefühl der Menschen bestimmt". Dies müsse "auch die Kanzlerin endlich einsehen", sagte er mit Blick auf seine Koalitionspartnerin, CDU-Chefin Angela Merkel. (mit AFP)

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