• Rentenreform: Jeder muss wissen: Die Rente ist nicht sicher - und selbst vorsorgen (Kommentar)

Politik : Rentenreform: Jeder muss wissen: Die Rente ist nicht sicher - und selbst vorsorgen (Kommentar)

Heik Afheldt

Gerechtigkeit zwischen den Generationen: ein edles Postulat, dem die SPD sich heute widmet. Der Generationenvertrag gleicht so, wie er in der deutschen Rentenversicherung umgesetzt ist, einer verhängnisvollen Fahrt in die Sackgasse. Was im Bürokratendeutsch Umlageverfahren heißt, ist ein archaisches Idealmodell: Da sorgen die Jungen für die Eltern, wenn die alt und gebrechlich werden. Ein Kind nimmt die Altvordern bei sich auf, die anderen tragen ihr Scherflein zum Unterhalt der Erzeuger bei.

Aber seit diesen goldenen Zeiten hat sich Entscheidendes verändert. Statt mehrerer Kinder ist es heute oft nur eines, die Eltern leben länger und sind anspruchsvoller, wollen Geld und Unabhängigkeit. Und sie beginnen ihr drittes Leben immer früher. Daraus leitet sich das unaufhaltsame Ende des Umlageverfahrens als stärkste Säule der Altersicherung ab. 35 Jahre Erwerbsarbeit (zwischen 20 und 55) für 35 Jahre "in Rente" (von 55 bis 80): Diese Rechnung kann nicht aufgehen. Schuften für zwei - und zusätzlich zu den Rentenbeiträgen zahlt die junge Generation ja noch die Steuern, mit denen die Rentenlöcher gestopft werden.

Trotzdem schreien viele Betrug, wenn den Rentnern nur noch der Inflationsausgleich versprochen wird. Sie wollen und sollen auch an den Segnungen der allgemeinen Wohlstandsmehrung voll partizipieren. Angeblich haben sie ihr Leben lang dafür in die Rentenkasse gezahlt. Da dürfe man ihnen ihre berechtigten Ansprüche nicht beschneiden. Ein verhängnisvoller Denkfehler. In einer wachsenden Wirtschaft und bei immer längerer Ruhestandszeit hat kein Beitragszahler so viel eingezahlt, wie er nach bisherigem Recht aus der Kasse bezieht. Die Jungen zahlen kräftig drauf. Genau das ist der Pferdefuß des gelobten Umlageverfahrens. Also spare jeder selber für sein Alter. Nur so erwirbt er wirklich eigene Ansprüche, bildet Kapital, von dem und dessen Zinsen er später leben kann. Wie gut, das hängt nicht nur von der Summe ab, die er gespart und investiert hat, sondern auch von der Tüchtigkeit der nachfolgenden Generation, davon, wieviel Wirtschaftswachstum diese zu Stande bringt, wie stark sie den Wert der Aktien zu erhöhen vermag. Das ist das, was sich hinter der eindrucksvollen Vokabel Kapitaldeckungsverfahren versteckt.

Anders als beim Umlageverfahren ist bei der Kapitalbildung keiner auf die Zahl und die Tüchtigkeit der Erwerbstätigen im eigenen Land angewiesen. Er kann seine Gelder auch in Taiwan oder Indien anlegen. Erst so haben die Alten Vorteile aus der Globalisierung und können der "demographischen Falle" im eigenen Land entgehen. Warum also nicht das Steuer kräftig umlegen Richtung Kapitaldeckungsverfahren? Die Haken liegen im Übergang - wie so oft, wenn es um den Wechsel von Systemen geht. Wenn die jungen Jahrgänge mit eigenen Beiträgen Alters-Kapital bilden und gleichzeitig die immer anspruchsvolleren Alten über hohe Sozialversicherungsbeiträge finanzieren sollen, dann ist die Last doppelt schwer.

Was tun? Es laufen lassen, tiefer hinein in die Sackgasse? Oder im Laufe der nächsten 45 Jahre die Systeme ohne spürbare Mehrbelastung schrittweise umbauen? Zwei Mal: Nein. Richtig wäre es, die Bezüge aus der laufenden, umlagefinanzierten Rentenkasse so schnell wie möglich zumutbar abzusenken. Wenn Riester zunächst 54 Prozent anpeilt, ist er eher noch zu vorsichtig. Zum Umsteuern wären vorübergehend auch höhere Beiträge aus dem Steuertopf an die Rentenkassen zu verantworten.

Der Systemwechsel in der Altersversorgung ist eines der wichtigsten Reformvorhaben im sozialen Bereich - und er müsste von jeder anderen Regierung auch vollzogen werden. Deshalb ist ein noch kräftigerer Steueranreiz für Beiträge zum Alterssparen nötig. Er müsste für die älteren Jahrgänge höher sein als für die Jungen, die noch viel Zeit zum Sparen haben. Modellrechnungen zeigen, dass sich schon mit relativ bescheidenen monatlichen Beiträgen beachtliche Vermögen bilden lassen. Und nichts spricht dagegen, dass dieses Kapital für den dritten Lebensabschnitt in Form einer Leibrente auch wieder aufgebraucht wird. Die Rentenansprüche aus der Sozialversicherung lassen sich ja auch nicht vererben. Damit jeder den Druck fühlt, sich zu einem wesentlichen Teil selbst verantwortlich um seine materielle Absicherung im Alter zu kümmern, darf man ihm nicht, wie es die "Gutmenschen" predigen, die Angst vor Altersarmut nehmen. Angst, sagt C. F. von Weizsäcker, ist oftmals ein guter Ratgeber.

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