Politik : „Rentenreform muss Kinderkriegen begünstigen“

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Herr Singhammer, Sie wollen das Rentensystem familienfreundlicher machen. Wie?

Wir brauchen eine Rentenreform, die das Kinderkriegen begünstigt. Ich halte es für gerecht, dass Eltern geringere Rentenbeiträge zahlen als Kinderlose. Wer Kinder in die Welt setzt, sorgt schließlich dafür, dass der Generationenvertrag intakt bleibt.

Sie wollen Kinderlose bestrafen?

Nein, es geht nicht um Strafe, sondern darum, dass der Beitrag der Familien für die Gesellschaft besser bewertet wird. Es kann doch nicht sein, dass immer weniger Menschen sich für Kinder entscheiden, weil sie wirtschaftliche Nachteile befürchten. Die Zukunft der gesetzlichen Rentenversicherung ist auch abhängig von den Geburtenzahlen. Und wir sehen doch auch, dass die Binnenkonjunktur geschwächt wird, wenn eine ganze Generation von Kindern fehlt.

Wie wollen Sie geringere Rentenbeiträge für Eltern finanzieren?

Die öffentlichen Haushalte sparen viel Geld, weil Jahr für Jahr die Zahl der Geburten zurückgeht, zum Teil um bis zu 40 000. Zahlen des Deutschen Jugendinstituts sagen voraus, dass es bis 2010 etwa 15 Prozent weniger Kinder in Deutschland geben wird. Allein bei der Betreuung der unter Sechsjährigen werden dadurch 3,6 Milliarden Euro weniger ausgegeben. Wir müssen verhindern, dass klammheimlich zu Lasten der Familien gekürzt wird. Jeder Euro, der im Betreuungsbereich eingespart wird, muss in der Familienförderung bleiben.

Das heißt, der Staat sollte grundsätzlich keine Familienleistungen kürzen?

Ich halte es für verkehrt, wenn neue familienpolitische Leistungen immer nur dann finanziert werden können, wenn man bestehende Leistungen streicht. Daher bin ich auch gegen die SPD-Forderung, das Kindergeld nicht zu erhöhen, um Geld für den Ausbau der Kinderbetreuung zu gewinnen. Bund, Länder und Kommunen müssen neues Geld in die Hand nehmen, um eine Trendwende bei den Geburten zu erreichen.

Das Gespräch führte Cordula Eubel.

Johannes

Singhammer (53) ist seit dem Jahr 2005 familienpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag. Der CSU-Politiker aus München ist Vater von sechs Kindern.

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