Politik : Rentenreform nutzt den Jungen mehr als den Alten

Ulrike Fokken

Junge Menschen profitieren stärker von der Rentenreform als Ältere. "Wer nicht älter als 30 Jahre ist, kann sich zu den Gewinnern zählen", sagt Hans Barth vom Forschungsunternehmen Prognos. Für die gewerkschaftseigene Hans-Böckler-Stiftung hat Prognos die Auswirkungen der im Mai verabschiedeten Rentenreform untersucht und "Reformoptionen" errechnet.

Da jüngere Beitragszahler aus den Jahrgängen nach 1971 länger Zeit haben, die zusätzliche Privatrente aufzubauen, werden sie eine längere Zeit lang bei den Zahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung entlastet. "Ihre Nettoentlastung summiert sich auf 1,4 Prozentpunkte", haben die Prognos-Experten errechnet. Ältere Jahrgänge könnten hingegen die zusätzlichen Belastungen durch die privat finanzierte Altersvorsorge nicht durch die Einsparungen zur gesetzlichen Rentenkasse einsparen. Beitragszahler aus dem Geburtsjahrgang 1958 sparen nur einen Prozentpunkt, schreibt Prognos. Wenn die älteren Jahrgänge 3,8 Prozent in die private Vorsorge stecken, bleibt ihnen also 2,8 Prozent als zusätzliche Belastung. "Bei Rentnern, die keine private Vorsorge mehr aufbauen können, bleiben Lücken", sagt Barth.

Entlastung könnte von Selbstständigen und Beamten kommen. Sie würden die Rentenkasse deutlich entlasten, wenn auch sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen würden. "Fast zehn Geburtsjahrgänge würden von Umverteilungsverlierern zu Gewinnern, bereits Jahrgänge ab 1962 würden von der Rentenreform profitieren", sagt Sabine Nehls von der Hans-Böckler-Stiftung. Allerdings müssten dann die nachfolgenden Generationen wieder mit leicht geringeren Renten rechnen. Und vor allem die Beamten, die bislang gar nichts in die gesetzliche Rentenkasse zahlen, wären laut Nehls "vornehmlich die Verlierer einer solchen Reformoption".

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