Politik : RentnerverhörtKanzler

Vorbild USA: Ausgewählte Bürger befragen Schröder

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Von Markus Feldenkirchen

In der letzten Wahlkampfwoche tritt Gerhard Schröder täglich vor die Bürger. Tausende hören auf den Marktplätzen seine Wahlkampfreden. Sie können entweder jubeln, pfeifen oder schweigen. Nur Fragen stellen dürfen sie nicht. Schön für den Bürger, dass er in der RTL-Sendung „Im Kreuzverhör Spezial“ den Kanzler am Dienstag noch einmal befragen durfte. Genauer: 25 Bürger, vom Sender fein säuberlich ausgewählt, ein Flutopfer, eine allein erziehende Mutter, ein Gewaltopfer und viele mehr. In Amerika gibt es solche Town-Hall-Meetings der Kandidaten schon lange.

Sollte Schröder Kanzler bleiben, wird es nicht am „Kreuzverhör“ gelegen haben. Dafür war das Konzept der Sendung zu statisch und die Fragen eher geeignet, bei Politikern Bürgerverdrossenheit hervorzurufen als andersrum. Was soll der Kanzler schon sagen, wenn eine Hotelbesitzerin in Sachsen ihre Sofortfluthilfe noch nicht bekommen hat, wo doch die lokalen Behörden in Sachsen so schläfrig arbeiten? Was soll er sagen, wenn ein Rentner, der von einem 18-Jährigen zusammengeschlagen wurde, dem Kanzler sein Leid klagt? Was kann er ehrlicherweise mehr sagen als „Das tut mir Leid“? Schröder sagt auch, dass man die Angst vor Kriminalität niemals ganz verhindern werden könne. Das hilft weder dem Rentner, noch dem Kanzler. Auch wenn es richtig ist.

Der Bürger Hanisch hat eine 13-jährige Tochter, in deren Schulklasse zu zwei Dritteln Ausländer sitzen. Das findet er nicht so gut. Der Kanzler sagt, es sei ganz wichtig, dass die Kinder Deutsch könnten, dass auch ihre Eltern Deutsch lernen müssten, in Sprachkursen, die, „wenn’s sein muss obligatorisch“ sein müssten. Sonst mache Integration keinen Sinn. Ob er denn wolle, dass seine Tochter in so eine Schule gehe, wird er noch gefragt. Da kann sich Schröder wie zuvor schon bei den Themen „Arbeitslosigkeit“ und „allein erziehende Mütter“ als Mann des Volkes präsentieren, der fast alle Probleme entweder selbst oder in seiner Familie durchlebt hat. Vier Jahr habe Tochter Klara auf der katholischen Grundschule in Hannover-Linden in einer Klasse mit 70 Prozent Ausländern gelernt. „Acht Nationalitäten in einer Klasse!“ Das Leistungsniveau habe darunter nicht gelitten. „Wir haben da sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Schröder.

Am Ende verweist Moderator Kloeppel auf den Donnerstagabend. Dann soll Edmund Stoiber ins Kreuzverhör der Bürger. „Aber ich bin nicht eingeladen?“ fragt der Kanzler. „Wenn Sie eine Frage an ihn haben, können Sie gerne kommen“, sagt Kloeppel. Schröder wird dies dankend ablehnen. Aber spannender wäre dies allemal.

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