Reportage : Obama und Merkel: Harmonie im Kanzleramt

Zwei Medienprofis im Rampenlicht: Beim ersten Treffen von Angela Merkel und Barack Obama herrscht eitel Sonnenschein. Der Beitrag der Deutschen in Afghanistan ist kein Thema - noch nicht. Eine Reportage von Hans Monath

Obama Foto: dpa
Obama und Merkel. Nur Sekunden für die Kameras. -Foto: dpa

BerlinDie Neugierigen, die kurz vor elf vor dem Kanzleramt warten, sehen zwar zunächst nur die Fahrzeugkolonne von fast 20 Autos und einem Bus an sich vorbeifahren. Aber manche erhaschen auch einen Blick auf den Kandidaten, als Obama dann hinter dem Zaun vor dem Arbeitseingang der Regierungszentrale aus dem Auto steigt und von Merkels außenpolitischem Berater Christoph Heusgen empfangen wird. Ein paar Augenblicke später kommt in dem Pulk von politischen Schlachtenbummlern und Zaungästen vor der Hauptfassade des Betonbaus Beifall auf, ein paar Rufe werden laut: Oben hinter den Fenstern der Skylobby haben die Menschen Obamas Gestalt entdeckt.

Drinnen hat gerade Kanzlerin Angela Merkel den Besucher aus Amerika vor die Fotografen geführt und zeigt beim Händeschütteln mit breitestem Lächeln, dass sie sich freut. Die Politikerin, die sich so gut mit George W. Bush versteht, demonstriert bestes Einvernehmen mit dem Mann, der Bush ablösen will und den sie zuvor noch nie getroffen hat: "Welcome. Ich freue mich auf eine gute Diskussion", sagt sie. Erst fasst er sie zwei Mal am Oberarm, dann tätschelt sie gleich mehrfach zurück. Auch der Gast strahlt und trägt ihr offenbar nicht nach, dass Merkel ihm eine Rede vor dem Brandenburger Tor durch ihre ihren öffentlichen Widerstand verwehrt hatte. Allein Küsschen und Umarmung fehlen, aber die sind nun wirklich für vertrautere politische Weggefährten wie Nicolas Sarkozy oder eben Bush reserviert.

Handshake mit der Hausherrin

Dann gibt es einen Moment Verwirrung, weil auch jene Fotografen noch Bilder brauchen, die ihre Objektive durch das Fenster der Skylobby auf den fernen Reichstag gerichtet haben und laut protestieren, als die beiden Politiker schon wieder gehen wollen. Die Kanzlerin hat Verständnis und lotst den willigen Kandidaten zur Fensterfront: "It looks better here", meint sie. Der Gast schaut kurz, winkt nach draußen und posiert dann wieder fürs Händeschütteln mit der Hausherrin.

Der dunkle Anzug des Gastes und das mintgrüne Jackett der Kanzlerin harmonieren prächtig mit den kräftigen Farben des neu-expressionistischen Gemäldes im Hintergrund, das auch viel Dunkel und viel Grün zeigt. Auch die Kanzlerin weiß um die Wirkung der Fernsehbilder mit dem Mann, auf den die Mehrheit der Deutschen so große Hoffnungen setzt. "Nach dem Knall" heißt das wilde Werk des Malers Bernd Zimmer, was in diesem Fall keine politische Anspielung hergibt: Ein Knall ist bei diesem Besuch nicht zu erwarten.

Nicht einmal 30 Sekunden dauert der gemeinsame Auftritt für die Kameras, dann wenden sich Merkel und Obama um und gehen ins Kanzlerinnen-Büro, die Kanzlerin mit entschlossenen, der Gast mit schlacksigen Bewegungen.

"Ein sehr offenes Gespräch"

Was dann rund eine Stunde dauert, nennt Regierungssprecher Ulrich Wilhelm später ein "sehr offenes und in die Tiefe gehendes Gespräch in sehr guter Atmosphäre". Vor allem außenpolitische Themen wie Iran, Afghanistan, Pakistan, den Nahost-Friedensprozess und den Nato-Gipfel 2009 sprechen Merkel und ihr Gast an, der wie sie die Bedeutung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den USA und Deutschland betont. Die Kanzlerin bringt auch ihre transatlantischen Lieblingsthemen auf, die Vertiefung der Wirtschaftspartnerschaft, um die Konkurrenz zu den aufstrebenden Schwellenländern zu bestehen, sowie Klima- und Energiefragen.

Am Tag zuvor hatte Merkel auch deutlich gemacht, dass Sie möglichen Forderungen des Kandidaten nach mehr deutschen Soldaten für Afghanistan Widerstand entgegen setzen werde. Sie wollte ihm erklären, so kündigte sie an, dass Deutschland seine 3500 Soldaten in Afghanistan noch einmal um rund 1000 aufstocken wolle. Und sie werde "auch unsere Begrenzungen sehr deutlich machen", also darauf beharren, dass die Bundeswehr nicht im Süden Afghanistans kämpfen müsse.

Bei seiner eigenen Rede, so kündeten Berater Obamas an, wollte der Senator die Europäer zu mehr Einsatz im Anti-Terror-Kampf drängen. Obama werde Europa in seiner Rede am Abend auffordern, einen größeren Anteil an diesen Bemühungen zu tragen, sagte ein Mitarbeiter. Obama hat bereits angekündigt, im Fall seiner Wahl mehr US-Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Er erwartet auch einen größeren Beitrag der Verbündeten dazu.

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