Reporter ohne Grenzen : Lage für Journalisten hat sich weltweit verschlechtert

Die Organisation Reporter ohne Grenzen stellt die Rangliste der Pressefreiheit 2017 vor. Sie prangert unter anderem die Medienfeindlichkeit westlicher Spitzenpolitiker an

Reporter ohne Grenzen und Amnesty International protestieren in Berlin für die Freilassung der in der Türkei verhafteten Journalisten Deniz Yücel.
Reporter ohne Grenzen und Amnesty International protestieren in Berlin für die Freilassung der in der Türkei verhafteten...Foto: imago/Christian Mang

Die Lage für Journalisten hat sich nach Einschätzung der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) weltweit verschlechtert - auch durch medienfeindliche Ausfälle führender Politiker in westlichen Demokratien. In Ländern wie den USA, Polen oder Großbritannien würden Spitzenpolitiker ihre Geringschätzung gegenüber Journalisten offen zur Schau tragen, kritisierte die Organisation am Mittwoch bei der Vorstellung ihrer Rangliste der Pressefreiheit 2017.

Repressionen gegen Journalisten prangerte ROG insbesondere in Ländern wie Ägypten, der Türkei, Burundi, Syrien, Libyen oder dem Jemen an.

In der Türkei habe sich die Lage für Journalisten und Medien wegen der "bespiellosen Repressionswelle seit dem Putschversuch im vergangenen Sommer erneut verschlechtert", stellte die Organisation fest. Tödlichen Gefahren seien Journalisten nach wie vor in Kriegs- und Krisenländern wie Syrien oder Libyen ausgesetzt.

Nordkorea auf letztem Platz

ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske prangerte aber auch die Veränderungen in den westlichen Demokratien an: "Besonders erschreckend ist, dass auch Demokratien immer stärker unabhängige Medien und Journalisten einschränken, anstatt die Pressefreiheit als Grundwert hochzuhalten." Er betonte: "Demokratische Regierungen dürfen den Autokraten der Welt durch Überwachungsgesetze oder demonstrative Geringschätzung unabhängiger Medien keinen Vorwand für ihre Repression gegen Journalisten liefern."

Dem Bericht zufolge hat sich die Lage für Journalisten in knapp zwei Dritteln der 180 Länder verschlechtert. Untersucht wurde vor allem das Jahr 2016. Der Rangliste zufolge rutschte die Türkei erneut um vier Plätze ab und liegt jetzt auf Rang 155. ROG erinnerte daran, dass dort etwa 150 Journalisten im Gefängnis sitzen und etwa 150 Medien geschlossen wurden. Russland landete auf Platz 148, Ägypten auf Platz 161. In China (unverändert Rang 176) sitzen demnach rund hundert Medienschaffende im Gefängnis.

Die besten Plätze nehmen Norwegen, Schweden und dann Finnland ein. Deutschland kam unverändert auf Platz 16. ROG kritisierte jedoch, dass es hierzulande erneut "erschreckend viele tätliche Angriffe, Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen Journalisten" gegeben habe. Auf den letzten Platz der Rangliste rückte Nordkorea, so dass Eritrea erstmals seit zehn Jahren nicht mehr das Schlusslicht bildet. Das Land steht nun hinter Turkmenistan an vorletzter Stelle. (AFP)

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