Politik : Republik Kongo: Ein scheuer General als Staatschef

Generalmajor Joseph Kabila soll nach dem erklärten Willen der Regierung in der Demokratischen Republik Kongo Nachfolger seines Vaters Laurent-Désiré werden. Damit steht Kabila junior mit seinen knapp 30 Jahren vor dem Sprung vom Militär in die Politik: Seit September 1999 kommandierte er die Bodenstreitkräfte der Demokratischen Republik Kongo.

Der Armee-Chef wird als eher scheuer und ruhiger Mann beschrieben. Er kämpfte an der Seite seines Vaters, als der sich 1997 auf den Platz von Diktator Mobutu Sese Seko putschte. Nach der Machtübernahme seines Vaters machte Joseph Kabila zunächst eine militärische Ausbildung in China. Als im August 1998 in der früheren belgischen Kolonie der Bürgerkrieg begann, wurde Kabila in die Heimat zurückbeordert. Dort stieg er in der militärischen Hierarchie rasch auf. Als Chef der auch politisch einflussreichen Bodentruppen verschaffte sich Joseph Kabila schließlich Gehör in wichtigen Kreisen. Jetzt ist er mit dem Oberkommando über alle Teilstreitkräfte betraut, auch der Geheimdienst untersteht ihm. Zumindest formal ist er damit vorerst der neue mächtige Mann im früheren Zaire. Wichtigste Aufgabe für Kabila junior dürfte die Beendigung des Bürgerkrieges und die Schaffung einer Verfassung sein, die dem "Übergangsprogramm" des gestürzten Präsidenten zufolge bereits seit zwei Jahren überfällig ist.

Die Entscheidung für ausgerechnet den Mann, dessen Hauptaufgabe in den letzten Jahren die militärische Schlacht gegen die Rebellen war, wirkt jedoch wie eine erneute Kampfansage an die Guerillas. Der älteste Sohn Kabilas, der während dessen Exil in Ostafrika geboren wurde, soll zudem ein enges Verhältnis zu seinen angolanischen Alliierten im Kampf gegen die Rebellen haben.

Unterdessen geht das Verwirrspiel um das Schicksal von Kabila senior weiter. Die bedrückten Gesichter der Minister sprachen Bände, als sie in Kinshasa an dessen Sohn Joseph vorbei defilierten. Die Handschläge, die offiziell seiner Ernennung zum Interims-Staatschef galten, wirkten im staatlichen kongolesischen Rundfunk eher wie Trauerbekundungen. Doch vom Tod des Präsidenten Kabila darf in Kinshasa niemand sprechen. Unterdessen setzten Kabilas Minister alles daran, sich für das öffentliche Bekenntnis zu wappnen und alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu schaffen, um das Land vor einem zusätzlichen Chaos zu bewahren. Die Notstandsregierung verlor keine Zeit, sowohl gegenüber der Opposition als auch den Rebellen klare Verhältnisse zu schaffen und zu zeigen, dass die Macht in den Händen der Familie Kabila bleiben soll.

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