Politik : Republikaner DeLay verlässt die Politik

Christoph von Marschall

Washington - Vor kurzem war er noch einer der mächtigsten Strippenzieher. Nun verabschiedet sich Tom DeLay aus der Parlamentspolitik. Er werde sein Abgeordnetenmandat niederlegen und bei der Wahl im November nicht wieder antreten, sagte der 58-Jährige am Dienstag. Er geht „without delay“ – ohne Verzögerung – spielen TV-Sender mit seinem Namen.

Bereits im Herbst hatte er sein Amt als Mehrheitsführer im Kongress niederlegen müssen, nachdem er in Texas wegen Verstoßes gegen das Wahlkampffinanzierungsgesetz angeklagt worden war. Im Winter wurde er zum Symbol für Bestechungsaffären der „Grand Old Party“. Enge Verbindungen zum Lobbyisten Jack Abramoff kamen ans Licht. Jener hatte Millionen von Indianerstämmen für die Förderung ihrer steuerbegünstigten Spielkasinos kassiert – und einen Teil des Geldes an Politiker weitergeleitet. DeLay galt als einer der Architekten der republikanischen Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses, die die Partei von Präsident George W. Bush bei den „Mid term elections“ im November verteidigen möchte. Seinen Einfluss verdankte er dem Talent, Geld für die Wahlkämpfe seiner Parteifreunde aufzutreiben. Vergangene Woche hatte ein enger Mitarbeiter ein Korruptionsgeständnis abgelegt. Das hatte DeLays Wahlaussichten weiter verschlechtert. „Ich bin Realist“, sagt er.

Auch sein Rückzug stellt ihn vor rechtliche Probleme. Die Republikaner haben ihn nominiert, und in Texas kann ein Kandidat nur vom Wahlzettel gestrichen werden, wenn er stirbt, wegen einer Straftat verurteilt wird oder wegzieht. DeLay will nun seinen offiziellen Wohnsitz nach Alexandria, Virginia, nahe Washington verlegen. In der Hauptstadt selbst verdichten sich nach der Ablösung des Stabschefs im Weißen Haus nun Gerüchte über eine weitere Regierungsumbildung – im Zentrum der Spekulationen steht Finanzminister John Snow.

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