Republikaner-Parteitag : Amerikanische Rückbesinnung

Die US-Republikaner feiern ihren frisch gekürten Spitzenkandidaten John McCain. Mit Luftballons, Konfetti und Sprechchören endete ein Parteitag, der seine Dynamik erst spät entfaltete. McCain gibt sich in seiner Rede kämpferisch - schlägt aber auch versöhnliche Töne an.

Lars von Törne
John McCain Republikaner-Parteitag
John McCain: Freundlich im Ton, hart in der Sache. -Foto: AFP

St. Paul (Minnesota, USA)Unter einem Präsidenten John McCain dürfte sich die Welt auf eine US-Politik einstellen, die noch stärker als bisher auf die Eigeninteressen der Vereinigten Staaten ausgerichtet ist. Das machte McCain, Spitzenkandidat der US-Republikaner, am Donnerstagabend nach seiner offiziellen Nominierung deutlich. Freundlich im Ton, aber hart in der Sache gab McCain zum Abschluss des Parteitages in St. Paul einen umfassenden Ausblick, wie er seinen Wahlkampfslogan "Country first" (Das Land zuerst) umsetzen will.

Nur einmal an diesem Abend drohte die sorgfältige Inszenierung des Spitzenkandidaten außer Kontrolle zu geraten. Kurz nachdem McCain seine insgesamt 45-minütige Rede begonnen hatte, sprang eine junge Frau in der Xcel-Arena auf, rief Slogans gegen die US-Regierungspolitik und zeigte ein rosa Hemd mit Friedenszeichen. Sofort wurde sie von den Delegierten mit lauten "USA"-Rufen übertönt. Dann schleppten Ordner sie aus dem Saal. Ansonsten war auf dem Parteitag von den Anti-Kriegsprotesten, die die ganze Woche über rund um den Veranstaltungsort stattfanden, nichts zu merken.

Härtere Linie in der Außenpolitik

McCain kündigte in seiner programmatischen Rede an, dass bei einem Wahlsieg im November für ihn an erster Stelle eine weniger auf das Ausland angewiesene Energieversorgung steht. Er werde die Abhängigkeit der USA von den USA nicht immer freundlich gesonnenen Öllieferstaaten verringern, indem er Bohrungen vor der US-Küste und anderswo beginnen werde, sagte der Kandidat unter lautem Jubel der Delegierten. Viele stimmten einen Slogan an, der schon in den vergangenen Tagen vielfach zu hören gewesen war, wenn es um die verstärkte Öl- und Gasförderung innerhalb der USA ging: "Drill, Baby, Drill" (Bohr, Baby, Bohr).

McCain machte deutlich, dass er in der Außenpolitik auf eine härtere Linie setzen will, um die Sicherheit der USA und ihr nahe stehenden Staaten zu gewährleisten. Für den Irak bekräftige er seine Position, dass nur ein verstärkter Truppeneinsatz und ein Kampf bis zum Sieg für ihn als Strategie in Frage kommen, auch wenn dies nicht bei allen Wählern populär ist: "Ich verliere lieber eine Wahl als einen Krieg." Gegenüber Iran und auch gegenüber Russland kündigte McCain eine unnachgiebigere Außenpolitik an, ohne jedoch in Details zu gehen.

McCain: "Ich werde für mein Land kämpfen, solange ich atme"

Etwa die Hälfte seiner Rede widmete der 71-Jährige seiner eigenen Biografie. Wie schon etliche Weggefährten und politische Freunde an den Tagen zuvor, zitierte McCain vor allem seine Erfahrungen in Vietnam und in der jahrelangen Kriegsgefangenschaft als prägende Phase. Seit jener traumatischen Erfahrung wisse er, dass es wichtigere Dinge gebe als Eigennutz, nämlich die "Liebe zu Amerika" und den Glauben an höhere Werte: "Ich werde für mein Land kämpfen, solange ich atme, so wahr mir Gott helfe."

Immer wieder teilte McCain Seitenhiebe gegen den demokratischen Spitzenkandidaten Barack Obama aus, die vom Publikum mit frenetischem Jubel aufgenommen wurden. Allerdings gab er sich im Ton versöhnlicher als am Abend zuvor seine Wunschkandidatin für das Vizepräsidentenamt, Sarah Palin. "Uns vereinigt mehr als uns trennt: Wir sind alle Amerikaner, das bedeutet mehr als alles andere", sagte McCain mit Bezug auf Obama und dessen Unterstützer. Er kündigte an, im Interesse des Landes so oft wie möglich mit dem politischen Gegner zusammenzuarbeiten, wie er das als Senator auch getan habe. Zugleich hielt er Obama vor, keine politische Erfahrung zu haben und politische Ziele zu verfolgen, die dem Bürger mehr schadeten als nützten, von höheren Steuern über mehr Verwaltung bis hin zu einem allgemeinen staatlichen Gesundheitssystem, das McCain als zu bürokratisch ablehnt. Der Parteitag endete mit einem minutenlangen Regen aus Luftballons und Konfetti – damit ist der Präsidentschaftswahlkampf in den USA nun auch offiziell eröffnet.

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