Republikaner-Parteitag : Herz statt Härte

Anstatt Wahlkampfrhetorik dominierten Spenden-Aufrufe den Auftakt des Republikaner-Parteitags in St. Paul. Nicht noch einmal wollen sich die Republikaner vorwerfen lassen, sich zu wenig um die von Hurrikan "Gustav" betroffenen Küstenbewohner zu kümmern. Der weitere Ablauf des Parteitags ist unklar.

Lars von Törne
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Gedenkminute für die Küstenbewohner. -

St. PaulIn der Not müssen die Frauen ran. Eigentlich standen beim Nominierungsparteitag der US-Republikaner für ihren Präsidentschaftskandidaten am Montagabend Politiker wie Präsident George W. Bush und Governeur Arnold Schwarzenegger auf dem Programm. Stattdessen wurden die wichtigsten Ansprachen des Eröffnungstages von zwei prominenten Gattinnen gehalten: Laura Bush und Cindy McCain, Noch-Präsidentengattin die eine, mögliche künftige Präsidentengattin die andere.

Statt um die politischen Vorzüge des zu erwartenden Kandidaten John McCain ging es auf dem Podium im Excel-Stadion in St. Paul im Bundesstaat Minnesota zum größten Teil um den Wirbelsturm "Gustav", der die Ostküste der USA zur gleichen Zeit heimsuchte. Frau Bush und Frau McCain warben um Spenden und Unterstützung für die von der Flut betroffenen Bewohner der Küstenregion.

Lobeshymnen aus dem Programm gestrichen

Die eigentlich geplanten politischen Reden hatte die Parteiführung tags zuvor abgesagt. Offiziell, weil Präsident George W. Bush, Präsidentschaftskandidat McCain und zahlreiche Delegierte bereits am Sonntag an die Küste geeilt waren, um den Bewohnern ihre Unterstützung zuzusagen. Ein weiterer Grund: Angesichts einer möglicherweise drohenden Naturkatastrophe wollte man parteipolitische Jubelbilder verhindern, die für die Republikaner – und ihre potenziellen Wähler - unangenehme Erinnerungen an den Wirbelsturm "Katrina" mit sich gebracht hätten. Vor drei Jahren wurde der Bush-Regierung vorgeworfen, sich zu wenig um die Opfer der verheerenden Sturmflut in New Orleans zu kümmern.

Die Parteitagsregie setzte deswegen am Montag kurzerhand auf Herz statt Härte. McCains Team strich alle Lobeshymnen auf den Kandidaten und ließ in einem auf wenige nötige Formalien beschränkten Programm Laura Bush und Cindy McCain einen schlichten, gut zehnminütigen Hilfsaufruf präsentieren, der bemerkenswert wenig parteipolitisch aufgeladen war. Die beiden appellierten an die Delegierten (und via Abendnachrichten an die Nation), großzügig zu spenden und die Regierung bei ihren Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. "Unsere erste Priorität sollte sein, die Sicherheit der Menschen in der Golfregion zu sichern", sagte Laura Bush unter Beifall der Delegierten. Jenseits aller politischen Differenzen erinnere die Gefahr von Sturm und Flut daran, "dass wir alle Amerikaner sind".

Die einzige offensichtlich parteipolitische Botschaft bestand im Lob für Präsident Bush, der laut Ehefrau Laura den Bewohnern der Küstenregion in persönlichen Gesprächen seine Hilfe versprochen hat, sowie in vier Videobotschaften der Gouverneure der von dem Hurrikan betroffenen Region, die Laura Bush präsentierte. Die Clips leitete die First Lady mit der Bemerkung ein, dass die Gouverneure der Küstenstaaten allesamt Republikaner seien und dass sie in dieser schweren Stunde "Führungsstärke und gutes Krisenmanagement" bewiesen – Qualitäten, die die Republikaner dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama absprechen.

Weiterer Ablauf des Parteitags unklar

Cindy McCain appellierte an das Gefühl ihrer Zuhörer, indem sie einen Satz ihres Mannes zitierte. Der hatte zuvor auf die Orkanwarnung und die damit verbundene Planänderung des Parteitages reagiert, indem er sagte: "Heute nehmen wir unsere republikanischen Hüte ab und setzen unsere amerikanischen Hüte auf."

Wie es mit dem Parteitag und der für Donnerstag geplangten Nominierung John McCains weitergeht, war am Montag bis zum späten Abend unklar. Die Parteiführung kündigte an, die weitere Entwicklung an der Ostküste zu beobachten und am Dienstag bekanntzugeben, wie man in St. Paul fortfahren will. Während einige Beobachter annahmen, dass es mit einem umgestalteten und abgespeckten Rednerprogramm zurück zum eigentlich geplanten politischen Geschäft geht, hielten es andere nicht für ausgeschlossen, dass die Sturmflut und ihre Folgen die Republikaner noch länger beschäftigen werden.

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