Republikanischer Parteitag : Der Lehrling Donald Trump

Die Pannen bei der Convention der Konservativen zeigen: Dem Team um Präsidentschaftskandidat Donald Trump fehlt es an Professionalität. Ein Kommentar.

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Am Donnerstagabend wird Ivanka Trump ihren Vater vorstellen, bevor er die Präsidentschaftskandidatur annimmt.
Am Donnerstagabend wird Ivanka Trump ihren Vater vorstellen, bevor er die Präsidentschaftskandidatur annimmt.Foto: Rick Wilking/Reuters

Der Parteitag der Republikaner bietet vielfältige Anlässe, sich aufzuregen: über die schamlosen Lügen, die Selbstgerechtigkeit der Konservativen, die Hetze gegen Hillary Clinton, inklusive der Forderung, sie als „Verbrecherin“ wegzusperren. Die dröhnende Inszenierung hat aber auch ihr Gutes. Sie offenbart den Zustand der Partei, die Orientierungslosigkeit der Konservativen und die sich vertiefende Spaltung der amerikanischen Gesellschaft.

Nur zögerliche Unterstützung des eigenen Kandidaten

Mit noch so viel Show lässt sich nicht verdecken: Die Republikaner stehen nicht geschlossen hinter Trump; maximal zwei Drittel unterstützen ihn. Viele sehen ihn nur als das kleinere Übel. Zusammengehalten wird dieser Parteitag von der Ablehnung Hillary Clintons, nicht von den Qualitäten des eigenen Spitzenkandidaten.

Gewiss gilt das 2016 ebenso für die Demokraten. Auch sie schweißt die Überzeugung, einen Präsidenten Trump verhindern zu müssen, stärker zusammen als die Aussicht auf Hillary Clinton im Weißen Haus. 2008 war das noch ganz anders. Da war breite Begeisterung für Barack Obama zu spüren.

Wo sind Trumps Berater, wenn Probleme auftauchen?

Auch beim Mini-Skandal um die Plagiatsvorwürfe an Melania Trump ist die Geschichte hinter der Geschichte aufschlussreicher als die Oberfläche. Trumps Team fehlt es an Professionalität, Weitsicht und Konzentration auf das Wesentliche. Trump hat keine Erfahrung im Management politischer Krisen. Fast hilflos begleiten er und sein viel zu kleines Beraterteam die mediale Explosion. Sie verwickeln sich in Widersprüche, die von den Zielen des Parteitags ablenken.

Erst mangelte es an seriöser Vorbereitung der Rede. Dann verschlimmerte das Leugnen des Plagiats die Lage. Warum sagen sie nicht: Ja, es waren fast die gleichen Sätze wie bei Michelle Obama, aber sie hat kein Copyright auf diese amerikanischen Tugenden? Sie fehlen in keiner Laudatio: hart arbeiten, sein Wort halten, Respekt vor anderen. Dann wäre die Aufregung wohl bald abgeebbt.

Nach der Plagiatsaffäre werden Trumps Lügen zum Thema

Nun aber wird zum Thema, dass Trump fast immer so reagiert, wenn er unter Druck gerät. Er leugnet das leicht Beweisbare. Sein Wahlkampf baut auf Lügen auf. Die Gefahr durch Verbrecher wird größer? Falsch. Die Kriminalitätsrate und die Zahl der Waffentoten sinken seit Jahren. Die Wirtschaft geht den Bach hinab, immer mehr Menschen verlieren den Job? Falsch. Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosenrate geht zurück.
Aber ist er nicht dennoch erfolgreich? Im Schnitt der Umfragen hat sich Clintons Vorsprung seit Ende Juni von 6,8 auf 2,7 Prozentpunkte halbiert. Das hat mehr mit ihr zu tun. Sie wird wegen der E-Mail-Affäre zwar nicht angeklagt, die vernichtende Bewertung ihres Verhaltens durch das FBI hat ihr aber geschadet. Trump legt indes nicht zu.

Die Wahl wird durch Ablehnung entschieden, nicht durch Zuspruch

Die Wahl 2016 wird wohl nicht dadurch entschieden, wer mehr Zustimmung erreicht, sondern wer größere Ablehnung erfährt. Das Misstrauen gegen Clinton ist seit Jahren tief verankert. Die Zweifel an Trump als Alternative wachsen erst langsam; er ist noch relativ neu in der Politik. Die Aufklärung über Lügen im Wahlkampf hilft nur begrenzt. Viele Amerikaner nutzen nur die Medien ihres Lagers.

Verunsicherung und Misstrauen wachsen in den USA. Das ist beunruhigend mitanzusehen. Die Entwicklung hält aber auch Trost bereit: Es sieht nicht danach aus, dass Trump mit Schwindeleien die Wahl gewinnen kann. Clinton ist die Favoritin, solange sie Fehler von Trumps Kaliber vermeidet.

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