Resolution : UN verhängen Flugverbot über Libyen

18.03.2011 00:12 UhrVon Hans Monath
Der UN-Sicherheitsrat hat sich doch noch zu einer Resolution über Libyen durchgerungen. Foto: AFP
Der UN-Sicherheitsrat hat sich doch noch zu einer Resolution über Libyen durchgerungen. - Foto: AFP

Update Wochenlang war über ein Flugverbot über Libyen diskutiert worden, zuletzt mit wenig Hoffnung. Jetzt haben die UN nicht nur das Flugverbot beschlossen, sondern noch schärfere Maßnahmen - vor allem militärische.

Über Libyen gilt ein Flugverbot. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am Donnerstagabend (Ortszeit) eine Resolution verabschiedet, mit der die Luftwaffe des libyschen Diktators Muammar al Gaddafi am Boden gehalten werden soll. Demnach sollen keine Flugzeuge im libyschen Luftraum erlaubt sein, es sei denn, sie verfolgen ein "humanitäres" Ziel.

Damit genehmigte das Gremium de facto ein militärisches Eingreifen in dem nordafrikanischen Land. Für den Entwurf, der vor allem Frankreichs Handschrift trägt, stimmten 10 der 15 Mitgliedstaaten. Kein Land war dagegen, aber fünf Länder enthielten sich, auch Deutschland. Russland und China, die als ständige Mitglieder mit ihrem Veto das Vorhaben hätten zu Fall bringen können, enthielten sich ebenfalls.

Die UN-Resolution erlaubt auch Luftschläge und alle anderen "erforderlichen Maßnahmen" zum Schutze der Zivilisten in Libyen. Ausgenommen ist der Einsatz von Okkupationstruppen. Die UN-Mitgliedstaaten dürfen auch individuell handeln.

Al-Dschasira zeigte unmittelbar nach der Entscheidung Bilder aus der Rebellenhochburg Bengazi. Tausende Gegner Gaddafis jubelten und zündeten Feuerwerke. Bereits zuvor hatte Gaddafi mit Vergeltungsschlägen im Mittelmeerraum gedroht, falls ausländische Truppen sein Land angreifen sollten. "Jeder ausländische militärische Einsatz gegen Libyen wird den Luft- und Seeverkehr im Mittelmeer gefährden", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Jedes "bewegliche Element", egal ob ziviler oder militärischer Herkunft, werde ein Ziel sein.

Die Truppen Gaddafis drängen die Aufständischen offenbar immer mehr in die Enge. Nach Angaben des Staatsfernsehens gewann die Armee am Donnerstag die "entscheidende Schlacht" um die Stadt Misrata, die nach der Eroberung durch die Armee von Rebellen "gesäubert" werde, wie es hieß. Die libysche Luftwaffe bombardierte den internationalen Flughafen von Bengasi, Gaddafi kündigte "gnadenlose" Angriffe auf die Hauptstadt der Rebellen im "befreiten" Osten an. Die rund 200 Kilometer östlich von der Hauptstadt Tripolis entfernte Stadt galt als die letzte große Bastion der Rebellen in der westlichen Landeshälfte. Ein Rebellensprecher wies die Angaben des Staatsfernsehens aber als falsch zurück. Gaddafi ließ für das Wochenende eine Feuerpause ankündigen.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte vor der Sitzung des UN-Sicherheitsrats eine deutsche Teilnahme an einer Militärintervention in Libyen kategorisch ausgeschlossen. Die SPD warf ihm daraufhin vor, Deutschland aus wahltaktischen Motiven zu isolieren. Westerwelles "durchsichtiger Versuch, hier in letzter Minute vor den Landtagswahlen ein friedenspolitisches Image zu gewinnen, kann Deutschland teuer zu stehen kommen", sagte Fraktionsvize Gernot Erler dem Tagesspiegel. Im Gegensatz zu Westerwelles Behauptung ziehe ein Ja zu einer Flugverbotszone nicht automatisch eine deutsche militärische Beteiligung nach sich. Bislang sei Deutschland von niemandem aufgefordert worden, sich zu beteiligen. (mit dpa/AFP/rtr)

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite