Reststrafe zur Bewährung : Frühere RAF-Terroristin Hogefeld kommt auf freien Fuß

Die wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte ehemalige RAF-Terroristin Birgit Hogefeld kommt frei. Sie hat 18 Jahre ihrer Strafe verbüßt und wird noch im Juni aus dem Gefängnis entlassen.

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Birgit Hogefeld (Archivbild aus dem Jahr 1996).
Birgit Hogefeld (Archivbild aus dem Jahr 1996).Foto: dpa

Das letzte inhaftierte Ex-Mitglied der linksextremen Terrorgruppe „Rote Armee Fraktion (RAF)“, die zu einer lebenslänglichen Strafe verurteilte Birgit Hogefeld, kommt im Juni frei. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main teilte am Freitag mit, nach 18 Jahren im Gefängnis werde der „Strafrest“ zur Bewährung ausgesetzt. Die 54-Jährige wird am 27. Juni die Strafe verbüßt haben, möglicherweise kann sie aber schon kurz zuvor die Haftanstalt im Frankfurter Stadtteil Preungesheim verlassen. Die ehemalige Terroristin ist bereits seit 2009 Freigängerin. Am 27. Juni 1993 hatte die Polizei Hogefeld nach einer Schießerei in Bad Kleinen (Mecklenburg-Vorpommern) überwältigt. Bei dem Einsatz starben der GSG-9-Beamte Michael Newrzella und der RAF-Terrorist Wolfgang Grams.

Das Frankfurter Gericht verurteilte Hogefeld 1998 wegen mehrerer Anschläge sowie Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zu lebenslanger Haft. Die Richter sahen eine besondere Schwere der Schuld. Hogefeld hatte sich 1985 an der Ermordung des US-Soldaten Edward Pimental in Wiesbaden und am Anschlag auf die Rhein-Main Air Base der Amerikaner in Frankfurt (zwei Tote, elf Verletzte) beteiligt. 1988 war sie Mittäterin beim Anschlag auf Hans Tietmeyer, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Tietmeyer überlebte.

RAF-Terroristen
Birgit Hogefeld wird 1956 in Wiesbaden geboren und zählt zur sogenannten "dritten RAF-Generation". Hogefeld soll an der Ermordung des US-Soldaten Edward Pimental und bei dem Anschlag auf die US-Airbase im August 1985 Mittäterin gewesen sein. Sie wird nach einer Schießerei im Juni 1993 in Bad Kleinen festgenommen und wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. 2007 und 2010 lehnt Bundespräsident Köhler Gnadengesuche Hogefelds ab. Seit 2009 ist sie als Freigängerin im offenen Vollzug. Im Juni 2011 hat Hogefeld 18 Jahre ihrer Strafe verbüßt und ihre Entlassung wird angekündigt. Bei der Entscheidung wird berücksichtigt, "dass sich die Verurteilte in deutlicher Form von der RAF losgesagt und ihrerseits die persönliche Verantwortung für die von der damaligen RAF begangenen Straftaten übernommen hat". Die Reststrafe wird zur Bewährung ausgesetzt.Weitere Bilder anzeigen
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10.06.2011 16:14Birgit Hogefeld wird 1956 in Wiesbaden geboren und zählt zur sogenannten "dritten RAF-Generation". Hogefeld soll an der Ermordung...

Hogefeld zählte zur sogenannten dritten RAF-Generation. 1998 löste sich die Terrorgruppe auf. Hogefeld, die sich vom Terrorismus distanziert hat, stellte 2007 ein Gnadengesuch, das der damalige Bundespräsident Horst Köhler ablehnte.

Mit der Freilassung Hogefelds sei die „aktuelle Strafvollstreckung“ bei früheren Mitgliedern der RAF abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Es sind jedoch mehrere Ermittlungsverfahren wegen Anschlägen der RAF offen. Außerdem steht derzeit die Ex-RAF-Terroristin Verena Becker in Stuttgart vor Gericht.

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