Politik : Rettungsplan für den Garten Eden

Dagmar Dehmer

Nairobi/Bagdad - Sobald die Vereinten Nationen wieder im Irak arbeiten können, will das UN-Umweltprogramm (Unep) mit der Wiederbelebung der mesopotamischen Sümpfe beginnen. Angesichts der Sicherheitsprobleme wird zwar frühestens Ende des Jahres ein zehnköpfiges Unep-Expertenteam in den Süden reisen. Doch schon jetzt sollen Iraker von Unep ausgebildet werden, um den rund 85 000 dort lebenden Menschen zu sauberem Trinkwasser und einer Abwasserversorgung zu verhelfen, sagte Unep-Sprecher Robert Bisset dem Tagesspiegel.

Der biblische „Garten Eden“ ist seit Anfang der 90er Jahre von der Regierung Saddam Husseins systematisch zerstört worden. Nicht nur, dass die Flüsse Euphrat und Tigris, noch bevor sie die irakische Grenze überschreiten mit 32 Dämmen aufgestaut werden, weitere acht sind im Bau und mindestens 13 weitere geplant. Das Ergebnis ist, dass keiner der Flüsse mehr im Frühjahr Hochwasser führt, was allein schon zu einem langsamen Sterben der Sumpflandschaft geführt hätte. Im Schatt-al- Arab, wo die beiden Flüsse zusammenfließen, um dann in den Persischen Golf zu münden, kommt nur noch ein Bruchteil des Wassers an. In den frühen 90er Jahren ließ Saddam Hussein zudem das gesamte Gebiet entwässern, um den Schiiten nach ihrem Aufstand jeden Fluchtweg abzuschneiden. Nach Unep-Informationen waren die mesopotamischen Sümpfe nach dem Ende des Krieges im vergangenen Jahr zu mehr als 90 Prozent zerstört.

Nach dem Fall der Regierung begannen Einheimische, Teile der Sümpfe wieder zu bewässern. Rund 3000 Quadratkilometer des Gebiets stehen unter Wasser. Doch damit allein ist das Problem nicht gelöst, denn die so genannten Sumpf-Araber, die in den Marschen leben, verfügen über keine Wasseraufbereitung. Sie trinken das Wasser so, wie es bei ihnen ankommt – also stark verschmutzt. Dieses Problem wollen die Unep-Fachleute als Erstes lösen. Durch die Wiederansiedlung von Schilf als natürlichem Wasserfilter soll sich die Qualität möglichst bald bessern. Das Projekt, das elf Millionen Dollar kosten soll, wird von der Regierung Japans bezahlt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben