Politik : Revolutionäre Grüße

Lafontaine und Gysi sind nur die Aushängeschilder. Die Linken schicken eine bunte Truppe ins Parlament

Matthias Meisner

Berlin - Da treffen sich alte Bekannte: Wenn die Linkspartei am 18. September in den Bundestag einzieht, werden zwei Streithähne wohl auf jeden Fall dabei sein, der frühere Vizeparteichef Diether Dehm, Listenplatz eins in Niedersachsen und Dietmar Bartsch, Manager des Parteiblatts „Neues Deutschland“, Listenplatz eins in Mecklenburg-Vorpommern.

Die beiden werden sich in einer Fraktion zusammenraufen müssen, die im nächsten Bundestag nach der aktuellen Prognose von election.de 68 Sitze haben wird. Von 1998 bis 2002 hatte die PDS nur 37, danach nur noch zwei Bundestagsmandate. Die Reformer nannten das damals „die eindeutig schmutzigste Intrige“ in der Parteigeschichte, Bartsch selbst warf Dehm vor, für den West-Aufbau der PDS „das Blaue vom Himmel“ versprochen und „kein Wort zum Scheitern seiner blenderischen Versprechungen“ gefunden zu haben.

Doch Dehm, Diplompädagoge, ehemaliger SPD-Kommunalpolitiker aus Frankfurt am Main, Schlagerproduzent und unter anderem Texter von Klaus Lages Hit „Tausendmal berührt“, wollte von der PDS nicht lassen. In Niedersachsen ließ er sich zum Landeschef wählen, die Parteifreunde dort verschafften ihm das Ticket in den Bundestag. Erst neulich kokettierte Dehm damit, dass er in seinem Parteibüro einen Leitspruch von Kim Il Sung aufgehängt habe: „Welches erbärmliche Leben, wenn jemand nur essen will und nicht an Parteiversammlungen teilnimmt“.

Die zwei sind nicht die Einzigen, die dafür sorgen werden, dass die linke Truppe im Bundestag so bunt sein wird, wie es die PDS dort nie war. Hinter den großen Namen Oskar Lafontaine und Gregor Gysi folgen allerlei illustre Leute. Die Parteiführung hat nur begrenzten Einfluss auf die Aufstellung der Landeslisten: Deshalb kehrt auch Ulla Jelpke, früher für die GAL in der Hamburger Bürgerschaft und später zwölf Jahre lang für die PDS im Bundestag, zurück. Inzwischen ist sie Politikchefin der „Jungen Welt“, der Kampfpostille der Traditionalisten in der PDS, und hat sich in NRW auf den aussichtsreichen Listenplatz fünf wählen lassen. Katina Schubert, Mitarbeiterin des Berliner Wirtschaftssenators Harald Wolf, fiel durch. Im größten Bundesland werden auch weit mehr WASG-Leute in den Bundestag einziehen, als dem Bundeswahlleiter lieb sein kann. Damit es keine Probleme gibt, sind die Gewerkschafterin Inge Höger-Neuling (Platz drei) und der Sozialpfarrer Jürgen Klute (Platz zehn), bei der Landtagswahl im Mai WASG-Spitzenkandidat, rasch in die PDS eingetreten, die jetzt Linkspartei heißt.

Ganz wohl ist der PDS-Führung nicht – sie weiß noch nicht mal, wie das Zusammenspiel von Lafontaine und Gysi klappen wird, die die Fraktion gemeinsam führen wollen. Geplant wird ein „Kraftzentrum“, das Lafontaine und Gysi den Rücken freihalten soll – Lothar Bisky und Dagmar Enkelmann als künftige Parlamentsgeschäftsführerin werden dafür genannt. Voraussichtlich haben sie viel zu tun: Wenn es am 18. September gut für die Linkspartei läuft, werden mit Leo Mayer (Listenplatz zehn in Sachsen) und Raja Bernard (Platz elf in NRW) erstmals sogar DKP-Funktionäre im Parlament sitzen. Offen ist, ob Bernard, Vizebezirkschefin der DKP Rheinland, dann auch ihre Briefe aus dem Bundestag „mit revolutionären Grüßen“ unterschreiben wird.

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