Rheinland-Pfalz : Wie Malu Dreyer künftig regieren will

Die an MS erkrankte Malu Dreyer beerbt Ministerpräsident Kurt Beck in Rheinland-Pfalz – und muss vor allem viele Schulden abbauen. Am Mittwoch wurde sie offiziell zur Nachfolgerin Becks gewählt.

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„Sie ist die Beste, menschlich und fachlich.“ Das sagt der scheidende Ministerpräsident Kurt Beck, 18 Jahre im Amt, über seine „Wunschnachfolgerin“ Malu Dreyer, die im Februar 2012 im Mainzer Landtag vereidigt wurde.
„Sie ist die Beste, menschlich und fachlich.“ Das sagt der scheidende Ministerpräsident Kurt Beck, 18 Jahre im Amt, über seine...Foto: dpa

Malu Dreyer, die an diesem Mittwoch dem aus Krankheitsgründen scheidenden Kurt Beck ins Amt des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz folgt, sagte kürzlich über sich: „Ich brauche auch mal Distanz, ich kann sehr gut mit mir allein sein.“ Für dieses Bedürfnis war in den vergangenen Wochen überhaupt kein Freiraum mehr, fast täglich Interviews, Briefings aus anderen Fachressorts, Teamtreffen, Personalgespräche. Und auch in Zukunft wird es schwer mit dem Alleinsein. Vergangene Woche, wenige Tage vor der Vereidigung, sieht man ihr den Vorbereitungsstress an, aber sie ist nicht eitel, sie sagt offen: „Es ist alles sehr aufregend.“

Seit Kurt Beck sie als Nachfolgerin präsentierte, haben die Lobeshymnen auf Malu Dreyer fast unheimliche Züge angenommen. Es wird in Superlativen gesprochen und geschrieben. Über ihren Mut, trotz ihrer MS-Erkrankung ein solches Amt anzunehmen, aber auch über ihre politischen Leistungen und menschlichen Fähigkeiten. In ihrem Ministerium, 500 Meter von der Staatskanzlei und dem Büro des Ministerpräsidenten entfernt, sitzt einem aber eine Politikerin gegenüber, die weiß, was auf sie zukommt. Sie übernimmt Rheinland-Pfalz nicht in bester Aufstellung.

Wer ihr Lachen erlebt, bemerkt nicht sofort ihre Härte und Entschlossenheit. Die 51-Jährige hat ihre juristischen Staatsexamina mit Prädikat bestanden. Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat sich im Magazin „Cicero“ gerade an Dreyer während der schwarz-roten Verhandlungen über die Gesundheitsreform erinnert: „Sie gibt nie auf.“ Andere erinnern sich, dass Schmidt schon mal aus der Haut gefahren sei, während Dreyer Ruhe bewahrte und nie persönlich wurde. Dreyer, seit elf Jahren Ministerin für Soziales und Gesundheit, war eine kompetente Verhandlerin. Sie ist von Herzen freundlich, Freundlichkeit ist aber auch ihre Strategie.

Sie kämpft hart, aber sie schafft vorher ein Wohlfühlklima, damit es nicht so auffällt. Bevor sie in die SPD eintrat, hat sie sich politisch eingesetzt. Ein Mainzer Sozialdezernent kann sich noch gut erinnern an eine Gruppe von Feministinnen, die ihn so lange sehr freundlich nervten, bis er zustimmte, ein Mädchenhaus einzurichten. Malu Dreyer war eine von ihnen.

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