Politik : Riad will politisch ganz nach vorne

Andrea Nüsse

Kairo - Als im Januar die Vorbereitung des arabischen Gipfels Ende März im ägyptischen Scharm al Scheich bereits intensiv lief, erklärte Saudi-Arabien überraschend, das Treffen der Staats- und Regierungschefs selbst abzuhalten. Ursprünglich hatte Riad auf die Ausrichtung verzichtet, doch nun will das erdölreiche Land regionale Ordnungsmacht werden. Damit ist das Königreich nicht nur wirtschaftlich die wichtigste Station der Nahostreise von Kanzlerin Angela Merkel, die am Samstag in Kairo beginnt.

Wirtschaftlich ist Saudi-Arabien ohnehin Schwergewicht der Region. Allein 2006 brachten Erdölexporte 180 Milliarden Dollar; damit werden riesige Infrastrukturprojekte finanziert: Nördlich von Jeddah entsteht eine Stadt mit Containerhafen, Technologie- und Bankenzentrum. Straßen- und Eisenbahnnetze werden ausgebaut, das Erziehungs- und Gesundheitswesen modernisiert. Doch auch für die politische Agenda, auf der die Wiederbelegung der Road Map zur Lösung des Nahostkonflikts, Libanon, Irak und Iran stehen, sind die Treffen mit König Abdullah und Kronprinz Sultan die wichtigsten Termine von Kanzlerin Merkel.

Riad, das nach dem 11. September weltpolitisch ins Abseits rutschte und selbst mit Terror zu kämpfen hatte, will dem Chaos in der Region nicht länger zuschauen. Möglicherweise geht dies auch auf US-Drängen zurück. Besonders der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten beunruhigt die Herrscher, die den sunnitischen Wahabiten angehören. Ausgelöst durch den Irakkrieg, der dort die Macht der schiitischen Bevölkerungsmehrheit bescherte, setzt er sich im Libanon im Ringen zwischen der Regierung Siniora mit der schiitischen Hisbollah fort. Als Schutzmacht der Schiiten steht der Iran, traditioneller Widersacher Riads, stärker da denn je. Die Warnung eines Beraters des Königshauses, Saudi-Arabien werde den Sunniten im Irak zu Hilfe kommen, wenn die USA abzögen, wurde zwar offiziell dementiert. Doch Riad steht unter starkem Druck aus der Region, den sunnitischen Brüdern unter die Arme zu greifen. Im Libanon ist das Herrscherhaus durch seine enge Beziehung zum ermordeten Ex-Premier Rafik Hariri seit langem involviert und hat Millionen in den Wiederaufbau Beiruts investiert. Jedoch haben der Iran und Saudi-Arabien vergangene Woche gemeinsam durch Druck auf ihre Verbündeten versucht, die Libanonkrise zu entschärfen.

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