Politik : Richard von Weizsäcker - der Ex-Präsident über den Ex-Kanzler (Kommentar)

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Der Druck ist groß, das Herz ist voll, da schwingt die Feder wie von selbst. Der Text, den Richard von Weizsäcker in der FAZ, dem Zentralorgan des deutschen Bürgertums, zur aktuellen Spendenaffäre und zu Helmut Kohl verfasst hat, ist der Rede wert. 252 Zeilen Dienst an seiner Partei, der CDU, und am Staat. Zunächst werden pointiert die Verdienste des Mannes zusammengefasst, dem er, dem auch der Staat Vieles verdankt; dann wird um so genauer, sezierend beschrieben, worin Kohls Vergehen liegen. Knapp, aber gekonnt bleibt Weizsäcker unterhalb der Grenze, wo man bloß von einer späten Rache für manche Auseinandersetzung über Inhalte, Stil und Formen sprechen müsste. Nein, das macht er klar: Die Verfassung steht über dem Ehrenwort. Und wie ehrenhaft kann ein Ehrenwort sein, dass dies nicht anerkennt? Wie kann einer, der sich willkürlich über das Gesetz stellt, ein Ehrenmann sein? Darauf sind die Antworten auch klar. Weizsäckers Text atmet nicht Rheinisch-Katholisches, sondern das Preußisch-Protestantische. Er trifft den Ton der Politik in Berlin; unverkrampft. Er hilft den Konservativen auf: Sagt, was richtig und was falsch ist. Fordert zur Diskussion auf über Amtszeiten und Selbstbeschränkung. Erinnert daran, dass die Demokratie existenziell auf Parteien angewiesen ist und die CDU mehr als nur ein Verein von Duckmäusern, von Schranzen Kohls. Und er gibt Zuversicht, dass die Bürger stark genug sind, die Herausforderung zu meistern - da spricht der Bundespräsident. Aber nur der außer Diensten.

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