Richter Alexander Hold als Bundespräsident : Wie der TV-Richter Wahlkampf macht

Fernsehrichter Alexander Hold will Bundespräsident werden. Er sieht sich als nah am Bürger und Jurist mit Bodenhaftung. Kann das gut gehen?

Christine Keilholz

Mittagszeit auf dem Sonnendeck des Dresdner Landtags: Minister und Abgeordnete sitzen bei Grillhähnchenbrust und Rucola. Ob sie den Herrn da drüben am Tisch kennen? Nee, nie gesehen! Das ist der Fernsehrichter Alexander Hold, der für die Freien Wähler Bundespräsident werden will. Aha, soso!

Alexander Hold, 54, findet aber schon, dass er ein sehr bekannter Mann ist. Seine Gerichtsshow „Richter Alexander Hold“ läuft dreimal täglich an fünf Tagen die Woche. Er beruft sich auf eine Milliarde Zuschauerkontakte im Jahr, das hat mal eine Agentur errechnet. Gut, wenn da einer um zwölf Uhr einschaltet und dann um eins noch mal, wird er zweimal gerechnet. „Aber ein Tagesthemen-Moderator kommt auf weniger“, sagt Hold.

Aus zwei Gründen will er nächstes Jahr Bundespräsident werden. Einmal, weil die Freien Wähler ihn gefragt haben, für die er seit Jahren als Stadtrat in seiner Heimatstadt Kempten tätig ist. Zweitens brauche das Amt einen, „der die einfachen Bürger erreicht“, der „Bodenhaftung ausstrahlt“ und nichts mit dem „Berliner Politikbetrieb“ am Hut hat.

Hold, Richter und Kommunalpolitiker

Hold ist Richter und Hold ist Kommunalpolitiker. Das hört man ihm an. Er redet viel über die Justiz und über kleine Städte. Viele Juristenkollegen, sagt er, „fällen wunderbare Urteile“, vergessen aber den Bürger, der das nicht versteht. Er, sagt er, hat „das im Fernsehen erreicht“, und das schon seit 15 Jahren. Neben den inzwischen 2000 Folgen seiner Nachmittagssendung gibt er bei Sat1 auch Rechtstipps im Frühstücksfernsehen.

Wenn Joachim Gauck, von dem er viel hält, das Thema „Freiheit“ hatte, will er sich auf das Thema „Vertrauen“ spezialisieren. „Wir haben alle das Vertrauen ins Gemeinwesen verloren, in die Politik und die europäische Idee“ – das treibt ihn um. Vertrauen geht für ihn schon da los, wo er nicht mehr versteht, was für irrsinnige Regelungen es gibt: Brandschutz, Lärmschutz, Nachbarschutz, das alles müsse einfacher werden. Es sind die Unbilden eines Stadtrats. 62.000 Einwohner hat Kempten im Allgäu. Hier war er Staatsanwalt und Richter, bis er 2001 was anderes machen wollte und zum Fernsehen ging. Ziemlich alles habe er als Jurist gemacht, „außer Insolvenzen und Ehescheidungen“.

Pegida verfälscht die Fakten

Deutschland habe auch in der Justiz ein Problem: „Der Rechtsstaat muss konsequent durchgesetzt werden“, sagt er und blinzelt in die Dresdner Septembersonne.

Nicht weit von hier begann vor knapp zwei Jahren die Karriere von Pegida. Was würde er als Staatsoberhaupt denn dazu sagen? „Was ich schon gesagt habe: Dass die Leute in der Not, kein Vertrauen mehr zu haben, einfachen Parolen nachlaufen.“ Man müsse den Leuten klarmachen, dass Pegida die Fakten verfälscht.

Als Bundespräsident wird das Richter Hold wohl eher nicht tun können. Bei der Wahl am 12. Februar haben die Freien Wähler nur zehn Wahlmänner in der Bundesversammlung.

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