• Richter im Lindh-Prozess will schnelles Urteil Forderung der Staatsanwaltschaft nach zweitem Gutachten abgelehnt

Politik : Richter im Lindh-Prozess will schnelles Urteil Forderung der Staatsanwaltschaft nach zweitem Gutachten abgelehnt

Helmut Steuer

Mit einer Überraschung ist der letzte Verhandlungstag im Mordfall der schwedischen Außenministerin Anna Lindh zu Ende gegangen: Obwohl Staatsanwaltschaft und Verteidigung ein zweites rechtspsychatrisches Gutachten über den Angeklagten Mijailo Mijailovic (25) gefordert hatten, lehnte der Richter des Amtsgerichts in Stockholm eine erneute Untersuchung des geständigen Täters ab. Das erste Gutachten, das Mijailovic die volle Schuldfähigkeit attestierte, sei umfangreich genug, so der Richter.

Die Verteidigung zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung und sprach von Fehlern im ersten Gutachten. Durch den Richterspruch steht fest, dass das Urteil im Mordprozess Lindh am kommenden Dienstag verkündet wird. Oberstaatsanwältin Agneta Blidberg plädierte für lebenslange Haft, Verteidiger Peter Althin konnte sich mit seiner Forderung nach Freilassung nicht durchsetzen.

Die Ablehnung eines neuen Gutachtens werteten Prozessbeobachter als Versuch des Amtsgerichts, den Fall so schnell wie möglich abzuschließen. „Es ist klar, dass der Richter den Fall loswerden will, da es vermutlich eine Revisionsverhandlung in der nächsten Instanz geben wird“, sagte der Stockholmer Rechtsprofessor Christan Diesen, „alle großen Rechtsfälle gehen in Schweden fast immer in die nächste Instanz“. Mijailovic, Sohn serbischer Einwanderer, hatte am 10. September vergangenen Jahres Schwedens Außenministerin Lindh in einem Stockholmer Kaufhaus mit einem Messer attackiert. Einen Tag später erlag sie ihren schweren Verletzungen. Mijailovic hat die Tat nach mehrmonatigem Leugnen im Dezember gestanden, aber behauptet, Stimmen in seinem Kopf hätten ihn dazu getrieben.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben