Politik : Richter: Jalloh zündete sich selbst an Urteil gegen Polizist sieht fahrlässige Tötung

Magdeburg - Der Fall, in dem nun vor dem Magdeburger Landgericht ein Urteil gesprochen wurde, hatte in Deutschland und im Ausland großes Aufsehen erregt. Vor dem Gerichtsgebäude gab es auch am Donnerstag Proteste gegen das Urteil. Im Prozess um den Tod des Afrikaners Oury Jalloh in einem Dessauer Polizeirevier wurde der Polizist Andreas S. wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Er muss eine Geldstrafe von 10 800 Euro zahlen.

Jalloh soll in der Gewahrsamszelle mit einem Feuerzeug eine Matratze entzündet haben, obwohl er an Händen und Füßen gefesselt war. Er starb binnen zwei Minuten durch die heißen Rauchgase an einem sogenannten Inhalationshitzeschock.

Das Landgericht geht nach den Worten der Vorsitzenden Richterin Claudia Methling davon aus, dass Jalloh das Feuer selbst gelegt hat, „um auf sich aufmerksam zu machen“. Wegen seines Zustandes hätte der Asylbewerber von den Beamten jedoch besser überwacht werden müssen. Zugunsten des Angeklagten müsse davon ausgegangen werden, „dass er Jalloh nicht mehr hätte retten können“, sagte Methling. Dass jemand anderes das Feuer gelegt haben könnte, schlossen die Richter aus. „Es gibt kein einziges unmittelbares Beweismittel, das ein Anzünden durch Dritte belegt“, sagte Methling. Nach Ansicht der Richter gab es zwar durchaus Ermittlungsfehler in dem Fall. „Wir haben aber nicht festgestellt, dass Beweismittel gezielt vernichtet wurden.“

In einem ersten Verfahren war Andreas S. vom Landgericht Dessau 2008 freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hob den Freispruch aber wegen Lücken in der Beweiskette auf.

Pro Asyl bezeichnete das Urteil vom Donnerstag als ein „rechtsstaatliches Desaster“. Während des Verfahrens zutage getretene Widersprüche hätten gezeigt, „dass die These von der Selbstentzündung nicht haltbar ist“, erklärte die Flüchtlingsorganisation. AFP/epd

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